Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 49. Die Begrenzung der Zahlungsmittelversorgung durch den Bankzins. 393 
den Einzelhaushaltungen übernommen, und sie verausgaben dann in 
Geld weniger als ihr Einkommen. Dafür bekommt die Stelle, die das 
neue Geld schafft, eine Kaufkraft, die sie instand setzt entsprechend 
mehr zu verausgaben. Auch in diesem Falle wird also das gesamte 
Realeinkommen der Gesellschaft vom gesamten Geldeinkommen gekauft. 
Der zweite Fall, daß der einzelne seinen Besitz von Bankzahlungs- 
mitteln vermehrt, bereitet keine Schwierigkeit. Denn ein solches Ver- 
fahren bedeutet nur, daß er sein Einkommen den Banken leihweise 
zur Verfügung stellt, und ist somit schon in unserer allgemeinen Vor- 
aussetzung über die Verwendungsmöglichkeiten für das Geldeinkommen 
eingeschlossen. Durch Ansammeln von Banknoten oder Bankguthaben 
kann der einzelne nicht, wie man sich populär vorstellt, sein Einkommen 
bis auf weiteres unbenutzt liegen lassen. Wenn er das nach seiner Vor- 
stellung tut, stellt er in Wirklichkeit nur sein Geld den Banken und da- 
mit dem Unternehmertum oder allgemeiner dem Kapitalbedarf zur 
Verfügung. Die Ausnutzung des nicht verbrauchten Einkommens für 
die reale Kapitalbildung ist also keineswegs davon abhängig, daß der 
Einkommensbezieher sich für eine bestimmte Anlage dieses Einkommens 
entschließt. Die nicht nur in den Finanzzeitungen, sondern leider auch in 
der Wissenschaft ziemlich verbreitete Vorstellung, daß Kapital im ab- 
strakten Sinne aufgespeichert werden kann, um erst an einem späteren 
Zeitpunkt der realen Kapitalbildung zu dienen, ist nach dem Gesagten 
falsch und beruht lediglich auf einer mangelnden Analyse der Real- 
vorgänge der Tauschwirtschaft. Die Kapitalbildung der Tausch- 
wirtschaft geschieht immer in der Weise, daß das zur Kapitalisierung 
dauernd oder vorübergehend bestimmte Einkommen den durch die 
Produktion geschaffenen Zuschuß zum Realkapital übernimmt, und 
zwar in demselben Moment wie das Einkommen entsteht. Eine Kapital- 
bildung ohne diese reale Unterlage, etwa in der Form einer abstrakten 
„Geldansammlung‘‘ der Gesellschaft, ist auch für eine noch so kurze 
Zeit undenkbar. 
Bei einer Goldwährung, wo neben den Goldmünzen nur Bankzah- 
lungsmittel als Vertreter von Kaufkraft in Frage kommen, kann eine 
Vermehrung des Geldvorrats des einzelnen einem Kauf von Gold, also 
eines Realkapitals, gleichgestellt werden. Eine Vermehrung des gesell- 
schaftlichen Geldvorrats ist in diesem Falle offenbar nur durch Ankauf 
von Gold möglich und kann also keine Schwächung der gesellschaftlichen 
Kaufkraft der gesamten Güterproduktion gegenüber bedeuten. 
$ 49. Die Begrenzung der Zahlungsmittelversorgung 
durch den Bankzins. 
Die Tatsache, daß der Verkehr Bankzahlungsmittel nur in der Form 
von zinstragenden Vorschüssen von den Banken bekommt, hat für die
	        
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