Full text: Theoretische Sozialökonomie

124. 
voraus, würde ein Fehler in der Schätzung der jeweiligen faktischen 
Goldmenge um 100 Millionen Mark gegen Ende der Periode einen 
Fehler in der relativen Goldmenge von 2 pro Mille veranlassen und also 
vollständig ohne Bedeutung sein. Auf unserem Diagramm würde ein 
solcher Fehler eine wohl völlig unsichtbare Verschiebung der relativen 
Goldmenge um einen Bruchteil eines Zehntels von einem Millimete 
zur Folge haben. Man dürfte demnach annehmen können, daß die 
Ziffer 2,8 Prozent ziemlich genau den wirklichen Zuwachsfaktor der 
normalen Goldmenge in der Periode 1850—1910 bezeichnet, und daß 
unsere Kurve der relativen Goldmenge im großen ganzen ein richtiges 
Bild der wirklichen Entwicklung der Goldversorgung gibt. 
Für die Zeit vor 1850 hat die Kurve allerdings nur die Bedeutung 
aß sie uns die allgemeine Richtung der Entwicklung zeigt. Dies ge- 
nügt jedenfalls, um das scharfe Knie, das die Kurve, dank den großen 
Goldfunden um die Mitte des Jahrhunderts, im Jahre 1850 macht und 
dem von einer auffallend ähnlichen Drehung der sekulären Richtung 
der Kurve des allgemeinen Preisniveaus entsprochen wird, hervortrete 
zu lassen, und um den inneren Zusammenhang dieser beiden Bewegungen 
außer Zweifel zu setzen. 
Mögen auch unsere Ziffern innerhalb ziemlich weiter Grenzen un- 
sicher sein, so scheint es jedoch entschieden besser, durch geeignete 
Behandlung des vorhandenen Materials eine quantitative Vorstellung 
von der wirklichen Lage der Goldversorgung zu geben, als an unbe- 
stimmte Gefühle, auf die man in‘ den verschiedenen Handbüchern 
je nach der zufälligen Auffassung in der einen oder anderen Richtung 
durch Anhäufung passender Adjektive einzuwirken sucht, zu appellieren. 
Damit das allgemeine Preisniveau konstant bleibt, ist es nach dem 
jetzt Gesagten von seiten der Goldversorgung nötig, daß die Goldmenge 
mit einem festen jährlichen Prozentsatz von 2,8 wächst. Es ist dabei 
gleichgültig, wie groß die Goldmenge ist. Steht sie augenblicklich 
höher als die normale Goldmenge und das allgemeine Preisniveau also 
entsprechend über dem Normalniveau, so wird eine Steigerung der Gold- 
menge um 2,8 Prozent jährlich das allgemeine Preisniveau auf un- 
veränderter Höhe halten, ein langsameres Wachsen der Goldmenge aber 
das allgemeine Preisniveau allmählich herabsetzen. Umgekehrt genügt 
eine Steigerung der Goldmenge um etwas mehr als 2,8 Prozent um ein 
zu niedriges Preisniveau allmählich zu erhöhen. 
„Da nun der endgültige jährliche Goldverbrauch auf 0,2 Prozent 
der Goldmenge geschätzt werden kann, ist also eine jährliche Gold- 
produktion von 3 Prozent der jeweiligen Goldmenge die Bedingung 
dafür, daß das allgemeine Preisniveau, soweit es auf die Goldversorgung 
ankommt, unverändert bleibt. Damit haben wir einen festen Anhalte- 
punkt gewonnen für die Beurteilung der Reichlichkeit der ON 
roduktion, eine Frage, betreffs welcher man sich meistens mit all-
	        
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