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voraus, würde ein Fehler in der Schätzung der jeweiligen faktischen
Goldmenge um 100 Millionen Mark gegen Ende der Periode einen
Fehler in der relativen Goldmenge von 2 pro Mille veranlassen und also
vollständig ohne Bedeutung sein. Auf unserem Diagramm würde ein
solcher Fehler eine wohl völlig unsichtbare Verschiebung der relativen
Goldmenge um einen Bruchteil eines Zehntels von einem Millimete
zur Folge haben. Man dürfte demnach annehmen können, daß die
Ziffer 2,8 Prozent ziemlich genau den wirklichen Zuwachsfaktor der
normalen Goldmenge in der Periode 1850—1910 bezeichnet, und daß
unsere Kurve der relativen Goldmenge im großen ganzen ein richtiges
Bild der wirklichen Entwicklung der Goldversorgung gibt.
Für die Zeit vor 1850 hat die Kurve allerdings nur die Bedeutung
aß sie uns die allgemeine Richtung der Entwicklung zeigt. Dies ge-
nügt jedenfalls, um das scharfe Knie, das die Kurve, dank den großen
Goldfunden um die Mitte des Jahrhunderts, im Jahre 1850 macht und
dem von einer auffallend ähnlichen Drehung der sekulären Richtung
der Kurve des allgemeinen Preisniveaus entsprochen wird, hervortrete
zu lassen, und um den inneren Zusammenhang dieser beiden Bewegungen
außer Zweifel zu setzen.
Mögen auch unsere Ziffern innerhalb ziemlich weiter Grenzen un-
sicher sein, so scheint es jedoch entschieden besser, durch geeignete
Behandlung des vorhandenen Materials eine quantitative Vorstellung
von der wirklichen Lage der Goldversorgung zu geben, als an unbe-
stimmte Gefühle, auf die man in‘ den verschiedenen Handbüchern
je nach der zufälligen Auffassung in der einen oder anderen Richtung
durch Anhäufung passender Adjektive einzuwirken sucht, zu appellieren.
Damit das allgemeine Preisniveau konstant bleibt, ist es nach dem
jetzt Gesagten von seiten der Goldversorgung nötig, daß die Goldmenge
mit einem festen jährlichen Prozentsatz von 2,8 wächst. Es ist dabei
gleichgültig, wie groß die Goldmenge ist. Steht sie augenblicklich
höher als die normale Goldmenge und das allgemeine Preisniveau also
entsprechend über dem Normalniveau, so wird eine Steigerung der Gold-
menge um 2,8 Prozent jährlich das allgemeine Preisniveau auf un-
veränderter Höhe halten, ein langsameres Wachsen der Goldmenge aber
das allgemeine Preisniveau allmählich herabsetzen. Umgekehrt genügt
eine Steigerung der Goldmenge um etwas mehr als 2,8 Prozent um ein
zu niedriges Preisniveau allmählich zu erhöhen.
„Da nun der endgültige jährliche Goldverbrauch auf 0,2 Prozent
der Goldmenge geschätzt werden kann, ist also eine jährliche Gold-
produktion von 3 Prozent der jeweiligen Goldmenge die Bedingung
dafür, daß das allgemeine Preisniveau, soweit es auf die Goldversorgung
ankommt, unverändert bleibt. Damit haben wir einen festen Anhalte-
punkt gewonnen für die Beurteilung der Reichlichkeit der ON
roduktion, eine Frage, betreffs welcher man sich meistens mit all-