Full text: Theoretische Sozialökonomie

4.0 Kap. XI. Der Geldwert. 
seine Golddeckung auf einen ganz ungewöhnlichen Prozentsatz anwach- 
sen ließ, 
Die Stabilität des gegenwärtigen Preisniveaus erfordert, wenn 
auf der Seite des Bedarfs keine neue Veränderung eintritt, eine jährliche 
Goldproduktion, die den gesamten. Goldvorrat der Welt in gleichem 
Tempo mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritt wachsen läßt. 
Nun kann man vielleicht nicht damit rechnen, daß der wirtschaftliche 
Fortschritt für die Zukunft dieselbe Stärke wie in-der Periode 1850—1910 
zeigen wird. Aber andererseits muß die Welt sehr große Anstrengungen 
machen um aus der gegenwärtigen schlechten Lage herauszukommen 
und von diesem Gesichtspunkt wäre also wenigstens für das nächste 
Jahrzehnt mit einem ziemlich starken relativen Fortschritt zu rechnen. 
Für den dann zu erwartenden Goldbedarf ist aber die jetzige Goldpro- 
duktion entschieden zu schwach. Die Goldproduktion der Welt ist 
nämlich, nachdem sie 1915 ihr Maximum erreichte, sehr stark gesunken 
und beträgt gegenwärtig nur etwas über 2 Prozent des Gesamtvorrats 
(siehe Tabelle unten!). Wir befinden uns aller Wahrscheinlichkeit nach 
in einer Periode von unzulänglicher Goldversorgung. Wenn eine Gold- 
produktion von 3 Prozent des jeweiligen Vorrats als normal betrachtet 
wird, so steigt der fehlende Betrag für 1924 auf die bedeutende Summe 
von 544 Mill. Mark. Ein solches Defizit kann wohl für einige Jahre, 
aber doch nur für eine sehr begrenzte Zeit, von der eben erwähnten 
amerikanischen Goldreserve ausgeglichen werden. Bei fortgesetzter 
wirtschaftlicher Entwicklung der Welt muß aber der Augenblick bald 
kommen, wo die Knappheit der Goldversorgung einen starken Druck 
auf das Preisniveau ausüben muß. Um einen andauernden und für die 
ganze Weltwirtschaft verhängnisvollen Preisfall zu verhindern wird man 
dann kein anderes Mittel haben als eine systematische Einschränkung 
der monetären Goldnachfrage der Welt. Von diesem Gesichtspunkt 
dürfte es klug sein, wenn schon jetzt Maßnahmen in solcher Richtung 
getroffen werden. Zwei Mittel kommen dann vor allem in Betracht. 
Erstens wird der Gebrauch von Gold in Form von Goldmünzen als zirku- 
lierendes Zahlungsmittel möglichst verhindert. Zweitens wird danach 
gestrebt eine gewisse Konzentration der Goldreserven der verschiedenen 
Länder in gewissen Hauptzentren, wie z. B. London und New York, 
herbeizuführen. 
Goldversorgung der Welt seit 1910. 
Prod. in Proz. der 
Jährl. Goldprod. Fakt. Goldmenge Goldmenge am 
Mill. Mark am Ende des Jahres Anf. des Jahres 
Mill. Mark Mill Mark. 
1910 1912 52 004 3,81 
1911 1935 53 834 3,72 
1912 1953 55 679 3:63 
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