4. Kap. XI. Der Geldwert.
die allgemeine Produktionskostentheorie. Es gibt in Wirklichkeit
meistens keine bestimmten Produktionskosten. Denken wir uns den
theoretischen Fall, daß Gold nur zu einem ganz bestimmten Kosten-
preis produziert werden könnte, so ist nicht einzusehen, warum dieser
Preis nicht niedriger sein könnte als der Marktpreis, wenn nämlich
die Produktionsmöglichkeiten hinreichend begrenzt sind. In diesem
Falle würden die Produzenten als Monopolisten einen rentenartigen
Gewinn machen. Andererseits läßt sich natürlich auch denken, daß die
Produktionskosten den Marktpreis übersteigen, in welchem Falle
offenbar kein Gold produziert werden kann. In Wirklichkeit ist in-
dessen eine ganze Reihe von Produktionsmöglichkeiten mit verschie-
denen Produktionskosten vorhanden, und diese Reihe kann praktisch
als kontinuierlich betrachtet werden. Wenn man mit Rücksicht hierauf
den Begriff der Produktionskosten durch den Begriff der ‚,Grenz-
produktionskosten“‘ ersetzen will, so ist wieder daran zu erinnern, daß
diese nicht als Bestimmungsgrund für den Preis betrachtet werden
können, da die Ausdehnung der Produktion und also die marginellen
Produktionskosten selbst ebensoviel vom Preis bestimmt werden.
Immerhin besteht offenbar ein gewisser Zusammenhang zwischen den
Produktionsmöglichkeiten des Goldes und dem Wert des Goldes und
also zwischen den Produktionsmöglichkeiten und dem allgemeinen
Preisniveau. Wenn das allgemeine Preisniveau steigt, steigen auch
die Produktionskosten des Goldes, in Geld gerechnet, während der
nominelle Preis des Goldes immer unverändert bleibt. Die Folge ist
eine Einschränkung der lohnenden Produktionsmöglichkeiten und also
auch der Totalproduktion, wodurch die Goldversorgung knapper wird
und eine weitere Steigerung des allgemeinen. Preisniveaus verhindert
wird.
Wie ist nun die Wirkung der Produktionskosten mit der Wirkung
der vorhandenen Goldmenge zu verbinden, und wie wird das allgemeine
Preisniveau durch den zusammengesetzten Einfluß dieser beiden
Faktoren bestimmt? Diese Frage wird am leichtesten beantwortet,
wenn wir in Übereinstimmung mit unserer allgemeinen Preisbildungs-
theorie das allgemeine Preisniveau als eine Unbekannte in der Gleichung
betrachten, welche besagt, daß die Nachfrage nach Gold gleich der vor-
handenen Goldmenge sein muß. Ist dann die vorhandene Goldmenge
gegeben, so ist das allgemeine Preisniveau damit bestimmt. Wenn da-
gegen die Goldmenge durch Produktion vermehrt wird, gewinnen die
Produktionsverhältnisse einen Einfluß auf das allgemeine Preisniveau,
der durch unsere Gleichung in seinen richtigen Zusammenhang mit dem
Einfluß der Nachfrage und des Angebots gebracht wird. Denkt man
sich nämlich das allgemeine Preisniveau als gegeben, so ist damit so-
wohl die Nachfrage nach Gold wie auch die Ausdehnung der Produktion
und also die Goldversorgung bestimmt. Bei Gleichgewicht muß das
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