$ 58. Die Regulierung des Preisniveaus durch den Bankzins. 447
Vermehrung der Zahlungsmittel nicht in der Hand der Banken liege,
da das Publikum niemals mehr Zahlungsmittel aufnehmen würde als
es wirklich brauchte. Wir sehen aber jetzt, daß die Banken durch zu
günstige Vorschußbedingungen das Publikum zur Aufnahme von einer
vergrößerten Zahlungsmittelmenge veranlassen kann, und daß eine
solche nominelle Vergrößerung der Kaufkraft eine allgemeine Preis-
steigerung hervorrufen muß. Diese Preissteigerung vermehrt den wirk-
lichen Bedarf von Zahlungsmitteln in gleichem Verhältnis und das
Publikum muß deshalb eine entsprechende Menge von Zahlungsmitteln
behalten. Es ist gewiß nicht sicher, daß jede willkürliche Vermehrung
der Zahlungsmittelversorgung auch vom Publikum behalten wird.
Sicher ist nur, daß die gesteigerte Zahlungsmittelversorgung eine Preis-
steigerung und eine derselben entsprechende Steigerung des Bedarfs an
Zahlungsmitteln hervorrufen muß. Eine eventuell noch überschießende
Zahlungsmittelversorgung wird das Publikum natürlich an die Banken
zurückliefern. Wenn aber die Vorschußbedingungen fortwährend so
günstig gehalten werden, daß die Kapitalnachfrage zum Teil durch
Schaffung von neuen Bankzahlungsmitteln befriedigt wird, so muß
sich derselbe Prozeß immerfort wiederholen: das Preisniveau wird ge-
steigert und der Zahlungsmittelbedarf muß entsprechend wachsen.
Was wir unter solchen Verhältnissen statistisch beobachten können, ist
eine fortgesetzte Steigerung des allgemeinen Preisniveaus und eine damit
parallel gehende Vermehrung der Zahlungsmittelversorgung. Diese
beiden Quantitäten wachsen proportional miteinander. Wir kennen
aber jetzt auch das Ursachsverhältnis. Die treibende Kraft der ganzen
Bewegung liegt in der immer fortgesetzten Schaffung von artifizieller
Kaufkraft. Hiermit sind wir zu einer befriedigenden Formulierung der
Quantitätstheorie gelangt.
Eine Verschlechterung des Geldwertes, die durch eine zu reichliche
Zahlungsmittelversorgung veranlaßt wird, nennen wir eine Inflation.
Arithmetisch wird die Inflation durch die Steigerung des allgemeinen
Preisniveaus gemessen. Es ist denkbar und ist auch unter außerordent-
lichen Verhältnissen, besonders während des Weltkrieges und der ersten
Nachkriegszeit, vorgekommen, daß eine Preissteigerung von einem
Rückgang der Warenversorgung verursacht wird. Eine solche Preis-
steigerung hält sich aber notwendig innerhalb mäßiger Grenzen. Be-
zeichnen wir die normale Warenversorgung mit 100 und nehmen wir an,
die Warenversorgung wäre zufällig auf 80 herabgedrückt, was schon eine
bedenkliche Notlage bezeichnet, so würde dadurch eine Preissteigerung
im Verhältnis 80 zu 100, also doch nur von 100 auf 125, veranlaßt werden.
Eine solche Preissteigerung kann aber unmöglich eine Vermehrung der
Zahlungsmittelversorgung veranlassen, wie dies so oft während der
großen Inflation des Krieges und der ersten Nachkriegszeit seitens der
Zentralbanken geltend gemacht wurde. Denn nach unserer Voraus-