Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 59. Die Stabilität des Geldwertes. 451 
meinen Preisniveaus selbst immer in der Konstruktion der Indexziffern 
ein gewissermaßen konventionelles Moment enthält. 
Immerhin ist es ein wesentlicher Vorteil, den Begriff des Kapital- 
zinses in dieser Weise festgestellt zu haben. Damit ist ein fester Anhalte- 
punkt gegeben für die Beurteilung mancher Fragen, in bezug auf die 
noch sehr unklare Vorstellungen herrschen. Es wird z. B. oft behauptet, 
Frankreich hätte sich durch seine Währungs- und Bankpolitik vor 
dem Kriege den Vorteil eines niedrigen Zinsfußes bereitet. Soll dies 
bedeuten, daß in Frankreich ein niedrigerer Zinsfuß gehalten wurde, als 
durch die Lage des Kapitalmarkts gerechtfertigt wäre, so müßte die 
französische Volkswirtschaft immer wieder zu einer übergroßen Kapital- 
produktion und zu einer abnormen Steigerung des allgemeinen Preis- 
niveaus verleitet worden sein, was offenbar unhaltbar ist. 
$ 59. Die Stabilität des Geldwertes. 
Die bedeutenden sekulären Variationen des Geldwertes seit Mitte 
des neunzehnten Jahrhunderts haben naturgemäß die Frage auf- 
geworfen, ob es nicht möglich wäre, solche Variationen zu vermeiden 
und ein Geldsystem mit im großen und ganzen unveränderlichem Geld- 
wert zu schaffen. Da die Veränderungen des Geldwertes mit Recht 
den Schwankungen der Goldversorgung zugeschrieben wurden, müßte 
diese Frage notwendig zu der Forderung auf Ersatz der Goldwährung 
durch eine vollkommenere Währung führen. 
Der große Rückgang des allgemeinen Preisniveaus von Anfang der 
siebziger Jahre bis Mitte der neunziger Jahre wurde von den Bimetal- 
listen als Ausgangspunkt genommen für ihr Streben, eine Währung 
auf der Grundlage zweier statt eines Metalls aufzubauen, um somit 
unabhängiger von einer zufälligen Knappheit des einen Metalls zu 
werden. Wir haben schon 8 42 nachgewiesen, daß dadurch ein fremdes 
Element in das Problem der Währungsstabilität hineingetragen würde. 
Dieses Problem erfordert an sich nur die Festlegung eines Preises oder, 
was auf dasselbe hinauskommt, eines Durchschnitts einer gewissen 
Gruppe von Preisen. Der Bimetallismus hat außerdem die Festlegung 
des Verhältnisses zwischen zwei Preisen gefordert, eine Aufgabe, die 
offenbar ganz an der Seite des Währungsproblems liegt. 
Fisher hat den Vorschlag zur Erörterung gestellt, einen ‚, Standard- 
Dollar‘ zu schaffen, der einen konstanten Goldwert aber eine variable 
Goldmenge vertreten sollte. Der Goldgehalt des Dollars oder vielmehr 
die Goldmenge, die hinter der abstrakten Währungseinheit ‚Dollar‘ 
liegt, sollte also von Zeit zu Zeit je nach der Reichlichkeit der Gold- 
versorgung abgeändert werden, wodurch es möglich wäre, ein unver- 
ändertes Preisniveau aufrechtzuerhalten. 
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