Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 59. Die Stabilität des Geldwertes, 53 
Goldmünzen die Hauptmenge der monetären Goldmenge bilden, und 
diese unverändert gelassen werden, wird eine Veränderung des Gold- 
preises in kürzeren Perioden nur eine verschwindend kleine Wirkung 
auf das allgemeine Preisniveau ausüben. Da also die Fisherschen 
Berechnungen in allen wesentlichen Punkten unhaltbar sind, ist es 
nicht nötig, auf die vielen praktischen Schwierigkeiten, die einer Durch- 
führung seiner Pläne entgegenstehen, einzugehen. 
Der tiefste Grund zum Mißlingen des Vorschlags von Fisher liegt 
offenbar darin, daß er sich neben der Hauptaufgabe noch eine ihr 
fremde Aufgabe gestellt hat, die das vorliegende Problem der Stabili- 
sierung des Geldwertes verrücken oder wenigstens wesentlich er- 
schweren muß. Will man ein Geldsystem mit unverändertem Geldwert 
schaffen, so muß man diese Aufgabe als alleiniges Ziel aufstellen, darf 
sie aber nicht mit anderen, fremden Aufgaben verbinden. Die Lösung 
des Problems liegt, nach dem was oben angeführt ist, darin, daß man 
von einer vollständig freien Währung ausgeht und diese durch Fest- 
legen des Gesamtpreises einer bestimmten Warenmenge zu stabilisieren 
sucht. Das Mittel dazu kann nur die Zinspolitik der Banken sein. 
Daß es auf diesem Wege, geldtheoretisch betrachtet, möglich ist, eine 
Währung ohne absehbare sekuläre Variationen des allgemeinen Preis- 
niveaus zu schaffen, kann keinem Zweifel unterliegen. 
Während des Weltkrieges wurde nicht nur die Goldwährung allge- 
mein abgeschafft und durch Papierwährungen ersetzt, sondern es trat 
auch infolge dieser Umwälzungen eine starke Verschiebung des Wertes 
‚des Goldes selbst ein. Nachdem die Vereinigten Staaten die Goldwäh- 
rung wiederhergestellt hatten, stieg das allgemeine Preisniveau in 
Dollars auf ein Maximum von 272 in Mai 1920 im Verhältnis zu 100 vor 
dem Kriege. Der Wert des Goldes war damals kaum 40 Prozent des 
Vorkriegswertes. Der folgende Deflationsprozeß erhöhte den Wert 
des Goldes auf rund 67 Prozent des Vorkriegswertes. In dieser Höhe 
hat er sich in den letzten Jahren stabilisiert, indem sich das allgemeine 
Preisniveau in den Vereinigten Staaten nunmehr um ungefähr 150 
bewegt. (Index der Bur of Labor stat). Diese Stabilisierung ist 
ein Ergebnis der amerikanischen Bankpolitik. Der Wert des Goldes 
ist in der Tat in den letzten Jahren wesentlich von dem Wert des Dollars 
bestimmt gewesen. Damit hat die amerikanische Goldwährung ein 
wesentliches Merkmal der typischen alten Goldwährung verloren. Denn 
ein Land das früher eine Goldwährung einführte, band damit sein Geld 
an eine Ware, deren Wert von äußeren objektiven Umständen bestimmt 
war. Die monetäre Goldnachfrage des einzelnen Landes übte natürlich 
auch damals einen gewissen Einfluß auf den Wert des Goldes aus. Aber 
dieser Einfluß fiel nicht sehr ins Gewicht und konnte vernachlässigt 
werden. So nicht wenn nur ein einzelnes großes Land wie die Vereinigten 
Sataten Goldwährung hatte, während die übrige Welt noch in der Papier- 
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