$ 59. Die Stabilität des Geldwertes. 555
Dollar (Ende 1924) gesteigert worden ist, und die Deckungsquote der
Federal Reserve Banken, also das Verhältnis zwischen Reserven einer-
seits und Noten und Depositen andererseits, häufig die Ziffer 80 Prozent
überstieg. Von diesem großen Goldfonds konnte ein beträchtlicher Teil
als Reserve für die künftigen Bedürfnisse der Welt betrachtet werden,
und es war zu erwarten, daß diese Reserve allmählich in Anspruch
genommen werden sollte, wenn die übrige Welt zur Goldwährung
zurückkehrte. In Wirklichkeit begann diese Bewegung schon mit
Dezember 1924. In der Zeit Dezember 1924 bis Juli 1925 betrug der
Nettoexport von Gold von den Vereinigten Staaten 179,7 Mill. Dollars.
Damit ist aber schon ein beträchtlicher Teil des einmaligen europäischen
Goldbedarfs befriedigt und bei vernünftiger Begrenzung der monetären
Goldansprüche wird der angesammelte Goldüberfluß der Vereinigten
Staaten ziemlich lange hinreichen, um die Goldknappheit der übrigen
Welt auszugleichen, so daß das allgemeine Preisniveau auf ungefähr
unveränderter Höhe erhalten werden kann.
Es geht aber aus den so gegebenen Voraussetzungen hervor, daß die
künftige Stabilisierung des Goldwertes von einer zielbewußten Regu-
lierung desselben abhängig sein wird. Diese Regulierung erfordert
aber offenbar ein Zusammenwirken der leitenden Zentralbanken, ein
Zusammenwirken, das in der Tat seit einer Zeit zustande gekommen ist
und schon sehr gute Erfolge aufzuweisen gehabt hat. Die Mittel zu
einer solchen Regulierung des internationalen Geldwertes ist vor allem
ein Einverständnis zwischen England und den Vereinigten Staaten mit
Bezug auf die von den beiden Ländern zu folgende Diskontopolitik,
wobei Rücksicht darauf genommen wird, daß das Preisniveau möglichst
unverändert bleibt, gleichzeitig wie die Parität der beiden Valuten auf-
recht erhalten wird. .
Gegen das Interesse der Weltwirtschaft von einer Stabilisierung
des bestehenden Preisniveaus steht das mächtige Interesse der Gold-
produzenten von einer möglichst starken Erhöhung des gegenwärtigen
niedrigen Wertes des Goldes, also von einer Senkung des allgemeinen
Preisniveaus. Die Rentabilität der Goldgruben ist in hohem Grade
von dem allgemeinen Preisniveau abhängig und die Erhöhung desselben
nach 1914 ist in vielen Ländern für die Goldproduktion verhängnisvoll
gewesen. Die südafrikanischen Goldproduzenten fürchten, daß wenn das
südafrikanische Preisniveau einmal Zeit gehabt hat, sich an das Welt-
niveau näher als bisher geschehen ist anzupassen, ein beträchtlicher Teil
der Goldgruben Transvaals auch unrentabel werden. Es kann deshalb
kaum wundernehmen, daß die Goldproduzenten alles tun, um die
Nachfrage nach Gold zu stärken, und also das Programm einer syste-
matischen Beschränkung der Nachfrage zu bekämpfen. Besonders
setzt die südafrikanische Goldproduktion große Hoffnungen an den
indischen Markt. Wenn es gelingen könnte, Goldsovereigns in Indien
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