Kap. XII. Die internationalen Zahlungen.
die ‚dadurch gewonnen wird, wie auch deshalb, weil es vor allem not-
wendig ist, zu zeigen, wie in der geschlossenen Volkswirtschaft das Geld
unktioniert und besonders ein bestimmter Geldwert aufrechterhalten
wird, weil m. a. W. die Tauglichkeit einer Geldtheorie in erster Linie an
dem einfachsten Fall der geschlossenen Volkswirtschaft geprüft werden
muß. Nunmehr haben wir auch die internationale Funktion des Geldes
mit in Betracht zu ziehen. Es wird sich zeigen, daß die Behandlun
dieser Frage durch die vorhergehende Untersuchung über das Geld
der geschlossenen Volkswirtschaft erheblich vereinfacht wird. Dabei
soll auf die Technik der internationalen Zahlungen nur soweit ein-
egangen werden, wie es für eine vollständige Aufklärung der Geld-
heorie unumgänglich nötig ist, im übrigen muß aber auf die speziellen
Handbücher verwiesen werden.
Stellen wir uns zunächst zwei Länder mit freien, gegenseitig unab-
hängigen Währungen vor. Zahlungen zwischen diesen beiden Ländern
können offenbar nur durch Ausgleich gegenseitiger Forderungen
bewerkstelligt werden. Wie vollzieht sich nun ein solcher Ausgleich?
Das reguläre internationale Zahlungsmittel ist der Wechsel. Das
folgende ist das einfache Schema für den Ausgleich internationaler
ahlungsverpflichtungen durch Wechsel. Die Warenexporteure des
Landes A verkaufen Waren an das Land B gegen Wechsel in der Wäh-
rung des Landes B. Diese Wechsel werden im Lande A nachgefragt
on den Käufern der Waren des Landes B und von diesen als Zahlung
an das Land B gesandt. Im Lande B werden die Wechsel von den
kzeptanten eingelöst. Man sieht, daß nach diesem Schema sämtliche
ahlungen in der Valuta des Landes B stattfinden. Es ist zu beachten,
daß Zahlungen zwischen zwei Ländern auch so bewerkstelligt werden
önnen, wie sie nach diesem Schema von den Importeuren des Landes
emacht werden. Solange Gleichgewicht zwischen den gegenseitigen
Forderungen besteht, genügt offenbar dieses System zum Ausgleich
aller Zahlungsverpflichtungen zwischen den beiden Ländern.
_ Was wird nun im Lande A für einen Wechsel auf das Land B be-
zahlt? Der Grund, warum Wechsel auf B im Lande A nachgefrag
werden, ist, daß sie Kaufkraft auf dem Markte des Landes B darstellen.
Diese Kaufkraft wird offenbar desto höher bewertet werden, einerseits
je niedriger das allgemeine Preisniveau im Lande B sieht, m. a. W. je
höher der Geldwert in diesem Lande ist, andererseits je höher das all-
emeine Preisniveau im Lande A selbst steht. Der Preis des Wechsels
auf das Land B muß demnach, als ein Ausdruck für die Schätzung der
aluta des Landes B in der Währung des Landes A wesentlich bestimm
sein vom Verhältnis zwischen Geldwert in B und A. Dieses Verhältnis
ist die Kaufkraftparität der beiden Valuten.
. „Den Preis der Einheit der Valuta des B im Gelde des A nennt maı
im Lande A den Wechselkurs auf das Land B. (In England wird jedoch
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