Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 60. D. Ausgleich d. Zahlungsbilanz. Erster Fall: Freieunabhäng. Währungen. 459 
in den meisten Fällen umgekehrt der Wechselkurs als der Betrag der 
ausländischen Valuta, der für die Einheit der inländischen Valuta, also 
ein Pfund Sterling, gekauft werden kann, notiert.) Der wesentliche 
Bestimmungsgrund des Wechselkurses ist also die Kaufkraftparität, 
die in der Tat die Normallage des Wechselkurses repräsentiert. 
Es ist nicht möglich die Kaufkraftparität auf Grund der hier ange- 
gebenen Definition exakt zu berechnen. Die Preisniveaus in zwei ver- 
schiedenen Papiervaluten sind nämlich nicht ganz vergleichbar. Wir 
können wohl feststellen, daß die Preise durchschnittlich in dem einen 
Lande, sagen wir rund zehnmal so hoch sind wie in dem anderen. Ein 
exakter Vergleich wäre aber nur möglich, wenn die verschiedenen Preise 
in dem einen Lande in demselben Verhältnis zueinander ständen wie 
in dem anderen. Dann würde aber kein Austausch von Waren zwischen 
den beiden Ländern zustande kommen. Der internationale Handel 
setzt eben voraus, daß in dieser Beziehung eine bedeutende Ungleich- 
förmigkeit vorhanden ist, daß also im angenommenen Beispiel gewisse 
Waren mehr als zehnmal so teuer in dem einen Lande wie in dem anderen, 
dafür aber andere Waren weniger als zehnmal so teuer sind. Unter 
solchen Verhältnissen wird — wie wir im fünften Buche, wo wir die 
Theorie des Internationalen Handels zu betrachten haben, näher sehen 
werden ($ 88) — ein Warenaustausch zwischen den beiden Ländern 
bei einem geeigneten Wechselkurse stattfinden. Dieser Wechselkurs wird 
fixiert durch die Bedingung, daß im Warenaustausch ein Gleichgewicht 
bestehen soll, so daß das eine Land seine Einfuhr von dem anderen mit 
seiner Ausfuhr an dasselbe bezahlen kann. Der so fixierte Wechselkurs 
stellt offenbar die Normallage des Wechselkurses dar und kann als eine 
genauere Definition der Kaufkraftparität gelten. 
Eine Verschiebung des allgemeinen Preisniveaus des einen Landes 
im Verhältnis zu demjenigen des anderen muß offenbar die Kaufkraft- 
parität und damit auch die Normallage des Wechselkurses verändern. 
Dies ist besonders deutlich hervorgetreten während der großen Um- 
wälzungen der inneren Kaufkraft der verschiedenen Valuten, die nach 
1914 stattgefunden haben. Wenn zwei Länder A und B beide eine In- 
flation erlebt haben, die aber in A das allgemeine Preisniveau nur ver- 
doppelt hat, während in B das Preisniveau auf das sechsfache gesteigert 
worden ist, so ist die Kaufkraftparität der B-Valuta in der A-Valuta 
gerechnet nunmehr nur % von ihrem früheren Betrag. Die Normallage 
des Wechselkurses auf B muß dann ebenfalls auf % der früheren Nor- 
mallage gesunken sein. Die neue Normallage eines Wechselkurses kann 
also dadurch berechnet werden, daß man die frühere mit der Quote 
zwischen der Inflation, die in dem einen und dem anderen Lande statt- 
gefunden hat, multipliziert. In dieser Weise kann man also eine neue 
Kaufkraftparität auf Grund einer bekannten alten Kaufkraftparität 
berechnen.
	        
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