Full text: Theoretische Sozialökonomie

4 ) Kap. XII. Die internationalen Zahlungen. 
Dieses Ergebnis der theoretischen Analyse, das in den ersten Jahren 
der monetären Umwälzungen so viel Widerstand erweckte, weil es so 
stark von den herrschenden Anschauungen abwich, ist nunmehr durch 
eine überaus reiche Erfahrung vollauf bestätigt. Nachdem einigermaßen 
normale Verhältnisse auf dem. Gebiete des Welthandels wieder einge- 
treten sind, zeigt es sich, daß die Wechselkurse der verschiedenen Va- 
luten zu Normallagen tendieren, die von ihren neuen, in der hier an- 
gegebenen Weise berechneten, Kaufkraftparitäten bestimmt sind. 
Streng genommen müßte berücksichtigt werden, daß die Normallagen 
etwas verändert sein könnten infolge von Veränderungen in der ganzen 
wirtschaftlichen Lage der betreffenden Länder und in den Bedingungen 
ihres Güteraustausches. Die tatsächlichen Bewegungen der Wechsel- 
kurse zeigen aber, daß, wenigstens soweit man bisher überblicken kann, 
solche Veränderungen in der Bestimmung der neuen Normallage keine 
beträchtliche Rolle spielen. 
Durch die Kaufkraftparität ist wohl die Normallage des Wechsel- 
kurses bestimmt. Es ist aber nicht sicher, daß die tatsächlichen Wechsel- 
kurse auch immer mit dieser Normallage übereinstimmen. In Wirklich- 
keit treten Abweichungen hervor und zwar von zwei verschiedenen 
Kategorien, nämlich erstens infolge von äußeren Umständen, die nur 
ausnahmsweise auftreten, und zweitens als Ergebnis der stets vor- 
handenen Schwankungen der Marktlage, 
Unter den extraordinären Faktoren, die eine große Abweichung 
der Wechselkurse von der Kaufkraftparität bewirken, haben wir in erster 
Linie die Unterschätzung einer Valuta infolge einer erwarteten inneren 
Verschlechterung zu nennen. Eine solche Unterschätzung bedeutet 
eigentlich nur eine Diskontierung der erwarteten Wertverminderung. 
In den Fällen, wo eine Valuta einer fortgesetzten starken Inflation aus- 
gesetzt worden ist, hat diese internationale Unterschätzung der Valuta 
zuweilen einen sehr großen Umfang angenommen. Das Gegenstück zu 
einer solchen Unterschätzung ist natürlich die Überschätzung stabiler 
Valuten.in einer solchen inflationierten Valuta. Eine selbständige Über- 
bewertung einer Valuta kann, wie besonders die Erfahrungen Dänemarks 
und Norwegensin 1925 und 1926 bewiesenhaben, zustande kommen, wenn 
die Welt damit rechnet, daß die Valuta durch eine systematische Deflation 
eine höhere innere Kaufkraft erhalten wird. Dann wird auch diese 
Steigerung des inneren Werts von den ausländischen Märkten diskon- 
tiert. 
Eine zweite Ursache zu einer Unterschätzung einer Valuta liegt in 
Maßnahmen zur Erschwerung der Ausfuhr, wie z. B. Exportverbote, 
hohe Exportzölle, besondere Preiserhöhungen für Ausländer und der- 
gleichen. Die drückende Wirkung solcher Maßnahmen auf die inter- 
nationale Schätzung der Valuta ist unmittelbar klar, wenn wir nur 
daran festhalten, daß das Ausland wesentlich nur deshalb etwas für die 
al
	        
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