Full text: Theoretische Sozialökonomie

S Kap. XII. Die internationalen Zahlungen. 
beides auf einmal tut, so daß ein Gleichgewicht zwischen Angebot und 
Nachfrage wieder hergestellt wird. Wie kann nun eine Steigerung des 
Wechselkurses die Nachfrage nach Zahlungsmitteln auf das Land B ver- 
mindern oder das Angebot solcher Zahlungsmittel vermehren? Das ist 
die Frage, welche die Theorie des Wechselkurses zu beantworten hat. 
Diese Frage hängt eng mit derjenigen zusammen, wie zufällige 
Ungleichmäßigkeiten der internationalen Zahlungsbilanz ausgeglichen 
werden. Ein solcher Ausgleich findet auf zwei Hauptwegen statt: 
zeitliche Verschiebung der Zahlungen und Veränderung der Forderungs- 
bilanz. Unter dem Titel: „Zahlungsverschiebungen‘‘ können wir folgende 
Operationen rechnen: 
a) Aufschub von Zahlungen (Prolongation, Zahlungsverschiebung 
in der Richtung von Gegenwart nach Zukunft); 
b) Diskontierung von noch nicht fälligen Forderungen, haupt- 
sächlich Wechseln (Zahlungsverschiebung in der Richtung von 
Zukunft nach Gegenwart); 
c) eigentliche Anleihen, oft in der Form von Finanzwechseln, 
Schatzwechseln u. dgl. (gleichbedeutend mit einer Zahlungs- 
verschiebung in die Zukunft). 
Als Anleihen zum Ausgleich zufälliger Schwankungen der Zahlungs- 
bilanz kommen natürlich hauptsächlich kurzfristige Anleihen in Frage, 
während eine dauernde Unterbilanz durch feste Anleihen ausgeglichen 
werden muß. 
Zum Ausgleich einer ungünstigen Zahlungsbilanz dient ferner die 
Schaffung neuer Forderungen auf das Ausland durch vermehrten 
Warenexport oder Effektenexport sowie auch die Beschränkung neuer 
Schuldverpflichtungen durch verminderten Waren- und Effektenimport. 
Es liegt auf der Hand, daß eine ungünstige Zahlungsbilanz durch 
diese Mittel verbessert werden kann. Sie werden nun alle durch einen 
steigenden Wechselkurs für Auslandsvaluta in stärkere Wirksamkeit 
gesetzt, obwohl sie in sehr verschiedenem Grade für Veränderungen des 
Wechselkurses empfindlich sind. Bei hohem Wechselkurs werden wohl 
Zahlungen in gewissem Umfange aufgeschoben, wodurch also die augen- 
blickliche Nachfrage nach Zahlungsmitteln beschränkt wird. Dies dürfte 
jedoch keine größere Rolle für den Ausgleich der Zahlungsbilanz 
spielen. In der Hauptsache wird dieser Ausgleich durch Schaffen von 
Avistazahlungsmitteln auf das Ausland bewirkt. Daß eine Steigerung 
der Wechselkurse die Diskontierung noch nicht verfallener Forderungen 
im Auslande sowie auch die Aufnahme von ausländischen Anleihen be- 
fördert, erklärt sich durch den höheren Preis, den in dieser Weise ge- 
schaffene ausländische Guthaben bei hohem Wechselkurs auf dem in- 
ländischen Markt erreichen. In derselben Weise erklärt sich die Ein- 
wirkung der Wechselkurse auf den Export: Solange das allgemeine Preis- 
niveau im Inlande noch unverändert bleibt, haben die Produzenten des 
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