8 61. Zweiter Fall: Metallische Währungen. 3
Inlandes eine Möglichkeit durch Export von Waren und Verkauf der
Valuta auf dem inländischen Markt die Steigerung des Wechselkurses
sich zugute zu machen. Ähnlich können Spekulanten Wertpapiere auf
der inländischen Börse ankaufen, nach dem Auslande exportieren und
die erzielte Valuta im Inlande verkaufen und also wieder die Steigerung
des Wechselkurses als Gewinn einheimsen. Selbstverständlich ist der
Effektenhandel wesentlich empfindlicher für Schwankungen des Wechsel-
kurses als der Warenhandel.
Es ist ferner noch zu beachten, daß die stimulierende Wirkung eines
gesteigerten Wechselkurses auf die Exporteure sich nur so lange geltend
machen kann, als die Preise im Inlande nicht steigen. Hat eine der
Steigerung des Wechselkurses entsprechende Preissteigerung im In-
lande stattgefunden, verschwindet jeder besondere Vorteil für den Ex-
porteur. Der gesteigerte Wechselkurs ist dann lediglich ein Ausdruck
für eine Verschiebung, die zwischen dem Geldwert des Inlandes und
demjenigen des Auslandes stattgefunden hat. Eine solche Verschie-
bung hat ja keine Bedeutung für die Zahlungsbilanz der beiden Länder,
sie bedeutet ja nur, daß die Kaufkraftparität, also die wahre Normallage
des Wechselkurses sich verschoben hat.
Jede Diskussion über die Bestimmung der Wechselkurse durch die
Marktlage muß davon ausgehen, daß eine Ungleichmäßigkeit der Zah-
lungsbilanz immer ausgeglichen werden muß, und daß deshalb die
Zahlungsbilanz am Ende eine vollständige Übereinstimmung zwischen
Debet und Kredit zeigen muß und dies nicht nur für längere Perioden
sondern auch für jeden einzelnen Tag. Eine Verschiebung des Wechsel-
kurses ist also nicht als ein Ergebnis einer mangelnden Übereinstimmung
zwischen Angebot und Nachfrage von ausländischen Zahlungsmitteln
zu erklären, sondern muß vielmehr als ein Mittel aufgefaßt werden,
das dem Markt schließlich zur Ausgleichung der Zahlungsbilanz verhilft.
8 61. Zweiter Fall: Metallische Währungen.
Wir gehen nunmehr zu dem Fall über, in dem beide Länder
metallische Währungen haben. Diese Währungen können nun zunächst
verschieden sein. Nehmen wir an, das eine Land hat Gold-, das andere
Silberwährung. Die Währungen sind dann nicht länger wie im vorigen
Paragraphen vollständig unabhängig voneinander. Die Inhaber einer
Goldvaluta können gegen diese das Metall Silber erwerben und im
Silberlande prägen lassen. Der Wert der Silbervaluta in der Gold-
währung hängt also vom Preis des metallischen Silbers ab. Es besteht
somit ein bestimmter Zusammenhang zwischen den beiden Währungs-
einheiten, das Wertverhältnis zwischen ihnen wird in wesentlichem
Grade vom Wertverhältnis zwischen Silber und Gold auf dem offenen
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