464 Kap. XII. Die internationalen Zahlungen.
Metalimarkt bestimmt, der Wechselkurs kann sich nicht allzuviel von
demjenigen Wechselkurs entfernen, der diesem Wertverhältnis zwischen
Silber und Gold entspricht. Die Abweichungen des Wechselkurses von
diesem Normalkurs sind derselben Natur wie die Abweichungen vom
Parikurs in dem Falle, daß beide Länder dieselbe Metallwährung haben,
und brauchen also nicht besonders erklärt zu werden.
Noch näher ist der Zusammenhang zwischen den beiden Währungen,
wenn sie auf ein und dasselbe Metall begründet sind. Nehmen wir
also an, daß beide Länder Goldwährung haben. Dies bedeutet, daß die
Bewegung des Goldpreises in beiden Ländern zwischen zwei ziemlich
engen Grenzen beschränkt ist. Es ist also immer möglich für den Be-
sitzer der A-Valuta, durch Kauf von Gold im Lande A und Verkauf des-
selben im Lande B die B-Valuta zu erwerben. Die höchsten Kosten für
den Erwerb der B-Valuta auf diesem Wege entstehen, wenn der Gold-
preis im Lande A an der oberen durch die Goldwährung des Landes A
zugelassenen Grenze steht und gleichzeitig der Goldpreis im Lande B
sich an seiner unteren Grenze befindet, die niedrigsten Kosten wieder
beim niedrigsten Goldpreis in A und höchsten in B. Die Kosten, die im
Lande A für den Erwerb der Einheit der B-Valuta durch Versendung
von Gold nach dem Lande B entstehen, nennt man den Goldpunkt
für Goldausfuhr vom Lande A oder den oberen Goldpunkt
für das Land A. Dieser obere Goldpunkt kann nach dem Gesagten
innerhalb gewisser Grenzen schwanken. Er wird außer von den Ein-
und Verkaufspreisen des Goldes auch von den Versendungskosten, die
jedoch als konstant betrachtet werden können, bestimmt.
Es ist andererseits auch stets möglich für den Besitzer der B-Valuta,
durch Kauf von Gold im Lande B und Verkauf desselben im Lande A
die A-Valuta zu erwerben. Was er dabei für die Einheit der B-Valuta
erhält, hängt von den Goldpreisen in den beiden Ländern ab. Das
meiste erhält er, wenn der Goldpreis im Lande B auf seinem Minimum
und gleichzeitig der Goldpreis im Lande A auf seinem Maximum steht,
das wenigste, wenn das Umgekehrte zutrifft. Den Betrag, der durch
Goldsendung von B nach A für die Einheit der B-Valuta erhalten
werden kann, nennt man den Goldpunkt für Goldeinfuhr nach
dem Lande A oder den unteren Goldpunkt für das Land A.
Beide Goldpunkte sind also innerhalb gewisser Grenzen variabel.
Sie sind jedoch in jedem Augenblick gegeben und bezeichnen dann
die äußersten Grenzen der Schwankungen des Wechselkurses. Über den
oberen Goldpunkt kann der Preis der Einheit der B-Valuta nicht
steigen, denn dann würde man statt Wechsel zu kaufen, doch lieber
Gold versenden oder vielmehr, Spekulanten würden Gold versenden,
Wechsel darauf ziehen und diese Wechsel auf dem Markt verkaufen,
was offenbar, der Konkurrenz zufolge, den Wechselkurs auf den Gold-
punkt herabdrücken müßte. Umgekehrt kann der Wechselkurs auch
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