Viertes Buch,
Theorie der Konjunkturbewegungen.
Dreizehntes Kapitel.
Einleitung.
8 63. Charakteristik des vorliegenden Problems.
Unter allen Erscheinungen der Konjunkturbewegungen haben die
Krisen ganz natürlich immer die größte Aufmerksamkeit auf sich ge-
lenkt. Es haftet an ihnen ein dramatisches Moment, das das Interesse
des Publikums anzieht. Für die Geschäftswelt ist die Krise die Periode
der Gefahr, der großen Verluste, des Ruins. Auch die Wissenschaft
hat sich dem Studium der Krisen besonders gewidmet. Die Krisen-
theoretiker sind eben Krisentheoretiker gewesen, d. h. sie haben ver-
sucht, durch ein umfassendes historisches Material die charakteristischen
Züge der Krisen festzustellen und durch Zusammenstellung der eigent-
lichen Krisenerscheinungen mit den Vorgängen der Auf- und Nieder-
gangsperioden über die Ursachen und Wirkungen der Krisen Klarheit
zu gewinnen. Sowohl bei Tugan-Baranowski wie bei Lescure —
um nur einige der bekanntesten neueren Krisentheoretiker zu nennen —
ist diese Induktion aus der Geschichte der Krisen die charakteristische
Methode. Diese Methode ist gewiß nicht unfruchtbar gewesen. Sie
muß aber ihrer Natur nach die Hauptaufmerksamkeit auf diejenigen
Äußerungen der Krisen lenken, die aus dem Gesichtspunkte der Ge-
schäftswelt oder einer mehr oder weniger im Voraus konstruierten
wissenschaftlichen Theorie das größte Interesse und deshalb wohl auch
die größte objektive Bedeutung zu besitzen scheinen. Dies ist eine
Schwäche. Eine wirklich systematische und unbefangene Unter-
suchung läßt sich unter solchen Voraussetzungen kaum durchführen
oder wird wenigstens wesentlich erschwert.