Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 64. Die Hauptzweige der Produktion in den Konjunkturen. 487 
Im ganzen ist die Roheisenproduktion im Zeitraum 1865 bis 1910 
von etwa 9 Millionen Tonnen auf etwa 66 Millionen Tonnen gestiegen, 
was einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 4,5% bedeutet. 
Die Steigerungen der Aufgangsperioden belaufen sich bis auf 30 und 
40%. Der Niedergang in den Depressionsperioden ist gewöhnlich ge- 
ringer, hält sich regelmäßig unter 10% und steigt nur für 1908 bis auf 
etwa 20%. 
Daß und in welcher Art die Konjunkturen die Produktion von 
festem Kapital beeinflussen, kann also als unzweideutig festgestellt 
betrachtet werden. Es genügt aber nicht, diese Wirkung der Kon- 
junkturen zu kennen, wir müssen auch wissen, ob die Wirkungen auf 
die übrige Produktion auch dieselben sind oder etwa andere, vielleicht 
entgegengesetzte. Wir müssen also untersuchen, wie sich die Pro- 
duktion von Gütern, die unmittelbar in die Konsumentenwirtschaften 
übergehen, unter den verschiedenen Konjunkturen gestaltet. Wir 
könnten auch hier versuchen, verschiedene Güter herauszunehmen, um 
sie zu Gegenständen solcher Untersuchung zu machen. Diese Methode 
würde uns aber in hohem Grade der Gefahr aussetzen, daß unsere 
Auswahl zu sehr von Zufälligkeiten abhängen würde, und daß unsere 
Schlüsse betreffend die Abhängigkeit der Konsumgutproduktion von 
den Konjunkturen keine genügende Beweiskraft haben würden. Es 
ist auch auf diesem Gebiete nötig, einen einzigen Artikel herauszufinden, 
der die ganze Produktion vertreten kann. 
Bevor wir einen Versuch in dieser Richtung machen, müssen wir 
beachten, daß ein großes Gebiet der Konsumgutproduktion von vorn- 
herein ausgeschlossen werden muß. Dies ist das ganze Gebiet der land- 
wirtschaftlichen Produktion. Für die Landwirtschaft spielen die Witte- 
rungsverhältnisse eine ausschlaggebende Rolle. Die landwirtschaftliche 
Produktion wechselt mit den Ernten und zeigt keinen direkten Zu- 
sammenhang mit den Konjunkturbewegungen. 
Wenn wir also die gesamte landwirtschaftliche Produktion aus- 
schließen, so haben wir für die übrige Produktion ein Material, das 
von so allgemeiner Bedeutung ist, daß es als Maßstab dieser Produktion 
verwendet werden kann, nämlich die Steinkohle. Die Steinkohle wird 
allerdings auch für die ‚Produktion von festem Kapital in großem Um- 
fange verwendet, und die Kurve der Kohlenproduktion wird uns des- 
halb nicht ein isoliertes Bild von der Konsumgutproduktion geben, aber 
ein Vergleich dieser Kurve mit der Roheisenkurve wird dennoch sehr 
lehrreich sein. Kohlen werden nicht nur für die eigentliche materielle 
Produktionstätigkeit gebraucht, sondern auch für die direkte Befrie- 
digung gewisser Bedürfnisse, wie z. B. zur Erwärmung und Beleuchtung 
unserer Wohnungen und zum Personentransport auf Eisen- und Straßen- 
bahnen. Dies ist von unserem Gesichtspunkte aus ein Vorteil, da die
	        
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