Full text: Theoretische Sozialökonomie

490 Kap. XIV. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktion. 
„In den Vereinigten Staaten sind die Schwankungen der Roheisen- 
produktion bekanntlich seit alters her sehr groß gewesen. Von 1890 
bis 1894 ist z. B. die Roheisenproduktion von 9,2 bis auf 6,7 Millionen 
Tons zurückgegangen. Die Kohlenproduktion der Vereinigten Staaten 
ist aber wesentlich gleichmäßiger gewesen. Sie zeigt in der Zeit von 
1870 bis 1907 keinen Rückgang von mehr als 9%. Im Jahre 1908, 
als die Eisenproduktion 38% gegen 1907 zurückging, hat natürlich 
auch ein bedeutender Rückgang der Kohlenproduktion stattgefunden, 
aber dennoch nur mit 13,4 % 1). 
Daß England mit seiner großen Kohlenausfuhr verhältnismäßig 
große Schwankungen der Kohlenproduktion aufweisen muß, ist natür- 
lich. Der größte Rückgang der Kohlenproduktion fand in diesem Lande 
von 1891 bis 1893 statt und betrug 11,4%. Dabei hatte sich jedoch 
die Roheisenproduktion von 1889 bis 1892 um 19,4 % vermindert. Dem 
Rückgang der Roheisenproduktion von 1882 bis 1886 von 18,3 % stand 
ein Rückgang der Kohlenproduktion von 1883 bis 1886 um nur 3,8% 
gegenüber. 
Suchen wir nun unser Ergebnis auch auf anderem Wege zu prüfen. 
Die Statistik des Güterverkehrs der Eisenbahnen ermöglicht uns in 
gewissen Ländern eine Teilung der Tonnenzahlen dieses Verkehrs 
nach den Gattungen der Güter vorzunehmen. Wir können diese Teilung 
so machen, daß wir einerseits diejenigen Waren, die wesentlich als 
Material des festen Kapitals dienen, andererseits alle übrigen Güter 
zusammenfassen. Für Deutschiand ist dies hier so geschehen, daß die 
Warengattungen Zement, Eisen, Holz und Steine (Warengattungen 7, 
11—20, 31a und b und 59 der offiziellen Statistik) als Material des 
festen Kapitals zusammengefaßt sind. Die so erhaltenen Tonnenzahlen 
sind von den Gesamttonnenzahlen der beförderten Güter abgezogen. 
Auf diese Weise sind die Tonnenzahlen für „Kapitalgüter‘“ und „andere 
Güter‘ erhalten. (Siehe Tabelle 6 im Anhang.) Betrachten wir diese 
Statistik, die bis 1886 zurückgeht, so finden wir für die Kapitalgüter 
eine bedeutende Steigerung bis zum Jahre 1889, aber nach dem Wende- 
jahre 1890 keinen Rückgang, ein Resultat, das mit der Kurve der 
deutschen Roheisenproduktion in Übereinstimmung steht. Für die 
Gruppe „andere Güter‘ bemerken wir vom Jahre 1891 bis 1892 einen 
Rückgang von 127087 bis 124766 Tonnen, also um etwa 1,8%. Für 
die Zeit von 1895 bis 1909 ist die Entwicklung auf unserem Diagramme 
(Fig. 10) wiedergegeben. Die untere vollgezogene Linie stellt die Tonnen- 
zahl der „Kapitalgüter‘‘ in Millionen Tonnen dar. Die obere punktierte 
Linie zeigt auf dieselbe Weise die Tonnenzahl der „anderen Güter“, 
ist aber der Bequemlichkeit halber um 100 gesenkt worden. Die zuletzt 
genannte Kurve weist, wie man sieht, keinen Rückgang auf, während 
für die Kapitalgüterkurve die Rückgänge nach den Wendejahren 
1) Statistical Abstract of the United. States.
	        
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