Full text: Theoretische Sozialökonomie

4 5 Kap. XV. Einfluß der Konjunkturen auf die Arbeit. 
samtzahl der bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften versichertem 
Personen, und zwar für jedes Jahr von 1888 bis 19091). Die Hoch- 
konjunkturen von 1900 und 1907 sind in den ‚entsprechenden Spitzen 
dieser Kurve deutlich bemerkbar. Die Hochkonjunktur von 1890 
erscheint bis 1891 fortgesetzt, wonach aber eigentlich kein merkbarer 
Rückgang erfolgte. Zerlegt man aber die Kurve C in die beiden Kurven 
A und B, deren Summe sie darstellt, und von denen A die kapital-- 
produzierenden Industrien, B die sonstigen Industrien vertritt, so 
findet man, daß die Spitzen der Kurve C ausschließlich auf die ent- 
sprechenden Spitzen der Kurve A zurückzuführen sind, während die 
Kurve B überhaupt keine Spitze aufzuweisen hat und im ganzen So 
gleichmäßig verläuft, wie der Verlauf einer wirtschaftlichen Entwicklung 
je gedacht werden kann. 
Die Wirkungen der Konjunkturbewegungen sind also, soweit sie 
in der Zahl der beschäftigten Arbeiter hervortreten, was Deutschland 
betrifft, für die ganze Gruppe der „sonstigen Industrien‘‘ kaum merk- 
bar, für die „kapitalproduzierenden Industrien‘ dagegen sehr aus- 
geprägt. Die Senkungen der Kurve A nach den Hochkonjunkturen 
bedeuten offenbar eine entsprechende Arbeitslosigkeit in den betreffenden 
Industrien. In den „sonstigen Industrien‘, als ein Ganzes genommen, 
kommt, wie das Diagramm zeigt, überhaupt keine Arbeitslosigkeit als 
Folge der allgemeinen Konjunkturbewegungen vor. Die auf die allge- 
meinen Konjunkturen zurückzuführende Arbeitslosigkeit wollen wir unten 
etwas näher untersuchen, können aber schon hier feststellen, daß sie, 
wie die allgemeinen Konjunkturen selbst, im ganzen ausschließlich 
auf das Konto der Produktion von festem Kapital zu schreiben ist. 
Betrachten wir etwas eingehender die Entwicklung der kapital- 
produzierenden Industrien in Deutschland. In den drei Hochkonjunk- 
turen, die unsere Statistik umfaßt, steigt die Arbeiterzahl, wie folgt: 
von 1888 bis 1891 um 24,49% oder im arithmetischen Durchschnitt 
8,16% pro Jahr, von 1894 bis 1900 um 38,29% (6,38% pro Jahr) 
und von 1904 bis 1907 um 16,05 % (5,35 % pro Jahr). Für die sonstigen 
Industrien sind für die entsprechenden Perioden die Steigerungs- 
prozente 12,6%, 27,4% und 12,3 %, also in allen Fällen beträchtlich 
niedriger als für die kapitalproduzierenden Industrien. Für die kapital-- 
produzierenden Industrien folgt nach einer Hochkonjunktur eine Periode 
der Arbeitslosigkeit, dadurch ausgezeichnet, daß die Zahl der be- 
schäftigten Arbeiter kleiner ist als die Maximalzahl, die in der vorher- 
gehenden Hochkonjunktur erreicht wurde. Bei beginnendem Auf- 
schwung werden nicht nur die Arbeitslosen absorbiert, sondern auch 
neue Arbeiter in großem Umfange eingestellt. Woher kommen nun diese 
neuen Arbeiter? Der natürliche Bevölkerungszuwachs der betreffenden 
Arbeitergruppe reicht nicht weit aus. Für das ganze Deutsche Reich 
kamen auf 1000 Einwohner mehr Geborene als Gestorbene 1881/1890 
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