8 66. Die landw. Bevölkerung als Quelle der Zuschüsse von Arbeitern usw. 507
Epoche ihres Abschlusses gelangt. Für die nächste Zukunft müssen
wir deshalb erwarten, daß der Strom von Arbeitskraft aus der Landwirtschaft
erheblich abnehmen wird.
Das letzte Jahrhundert ist zugleich die Zeit der Entstehung. der
modernen Großindustrie, ganz besonders die Zeit, in der die kapitalproduzierenden
Industrien außerordentlich schnelle Fortschritte gemacht
haben. Diese Fortschritte sind, wie wir wissen, nicht gleichmäßig,
sondern sprunghaft, in den Hochkonjunkturen konzentriert gewesen.
Sie wurden nur durch den extraordinären Zuschuß von Arbeitskraft,
der jedesmal von der Landwirtschaft aus zu erhalten war, ermöglicht.
Steht es nun fest, daß die Fähigkeit der Landwirtschaft
menschliche Arbeitskraft abzugeben mit dem Abschluß der industriellen
Revolution wesentlich beschränkt werden wird, so folgt der wichtige
Schluß, daß die Konjunkturbewegungen zu einem wesentlichen
Teile eine Erscheinung der Übergangsperiode von
den alten Wirtschaftsformen zu den modernen darstellen,
Wenn Arbeitskraft von außen nicht oder nur in kleinem Umfange bezogen
werden kann, werden Hochkonjunkturen in ihrer früheren Stärke
nicht mehr auftreten können. Wenn aber die Konjunkturenkurve nicht
mehr auf hohe Spitzen getrieben werden kann, wird sie natürlich auch
keinen heftigen Rückfällen ausgesetzt sein und muß also sehr viel
gleichmäßiger verlaufen, als es bisher der Fall gewesen ist.
Wir bekommen eine Vorstellung von den Veränderungen, die auf
diesem Gebiete bevorstehen, wenn wir die heutige Gestaltung der
Konjunkturen in verschiedenen Ländern betrachten. Am schärfsten
sind die Konjunkturschwankungen in den Vereinigten Staaten, wo die
Hochkonjunktur auf einen beinahe unbegrenzten Zufluß von Arbeitskraft
rechnen kann. Die Quelle, die in den Vereinigten Staaten diese
zusätzliche Arbeitskraft liefert, ist die Einwanderung. Es ist in dieser
Hinsicht sehr lehrreich, die Beziehungen zwischen Einwanderung und
Produktion von festem Kapital — letztere durch die Roheisenerzeugung
repräsentiert — zu untersuchen. Es zeigt sich, daß die Maxima der
Einwanderung mit den Maxima der Roheisenerzeugung zusammenfallen,
daß aber die Minima der Einwanderung gewöhnlich am Ende der
Depressionsperioden eintreten. In der Tabelle auf S. 508 kommt dieser
Zusammenhang deutlich zum Vorschein').
Die Verspätung der Minima der Einwanderung erklärt sich daraus,
daß ein Mehr von Arbeitskräften von den kapitalproduzierenden Industrien
nicht aufgenommen werden kann, bevor die Depression überwunden
ist, d. h. bevor die betreffenden Industrien die Maximalzahl von
Arbeitern, die sie in der letzten Hochkonjunktur beschäftigten, wieder
*) Statistical Abstract of the United States. Die Ziffern der Roheisenerzeugung
beziehen sich auf Kalenderjahre, diejenigen der Einwanderung dagegen auf Fiskaljahre
(bis 30. Juni des angegebenen Jahres).