$ 69. Veränderungen in Menge und Effektivität der Produktionsmittel. 519
Steigerung ist doch, wie gesagt, in den Hochkonjunkturen immer viel
langsamer als in den Depressionsperioden. In der scharfen Depression
nach 1900, wo die Roheisenerzeugung von 8520000 bis auf 7880000
Tonnen im Jahre 1901 herabgedrückt wurde und noch im Jahre 1902
nur die Ziffer von 8530000 Tonnen erreichte, ist die durchschnittliche
Produktivität der Hochöfen von 33430 Tonnen bis auf 35580 Tonnen
und 40520 Tonnen gestiegen, was offenbar damit im Zusammenhang
steht, daß die Zahl der vorhandenen Hochöfen von einem Maximum
von 309 im Jahre 1901 bis.auf 289 im Jahre 1902 und die Zahl der Hochöfen
in Betrieb von einem Maximum von 274 im Jahre 1900 auf 241
im Jahre 1902 gesunken ist. 1908 ist die Zahl der vorhandenen Hochöfen
im Vergleich mit dem Vorjahre um 7 vermehrt, die Zahl der Hochöfen
im Betrieb aber um 23 vermindert worden, welche beide Veränderungen
zusammen eine Steigerung der durchschnittlichen Produktivität
von 45298 auf 48733 Tonnen verursacht haben.
Man dürfte als Regel annehmen können, daß das Ausmustern veralteter
Produktionsmittel hauptsächlich in den Depressionsperioden
stattfindet, die Produktion neuer Produktionsmittel dagegen mit
größerer Stärke in den Hochkonjunkturen betrieben wird. Als Ergebnis
der Entwicklung in der Depressionsperiode zeigt sich immerhin eine erhöhte
Produktionsfähigkeit, auf welche die beginnende Hochkonjunktur
sich stützen kann. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß in der Depressionsperiode
veraltete Produktionsmethoden aufgegeben werden.
Zum Teil hängt dies unmittelbar mit der Beschaffung neuer Produktionsmittel
zusammen, zum Teil aber hat die Verbesserung der Produktionsmethoden
ihren Schwerpunkt :auf dem Gebiete der Organisation.
Die Perioden nachlassender Tätigkeit lassen den Betriebsleitern Zeit
zu umfassenden Neuorganisationen ihrer Betriebe. Auch auf diesem
Wege wird’ aller Wahrscheinlichkeit nach sehr allgemein bis zum Anfang
der nächsten Hochkonjunktur eine erhöhte Produktionsfähigkeit
erreicht.
Die Vermehrung der dauerhaften materiellen Produktionsmittel, die
wir für die Depressionsperioden konstatieren können, stellt natürlich
eine „„Kapitalansammlung‘“ der Depressionsperiode dar. Diese Kapitalansammlung
ist aber nicht die von gewissen Theoretikern und den
Finanzzeitungen angenommene Ansammlung von Kapital in ‚,Geldform“
oder von „ledigem Kapital‘‘, das; auf „Investierung‘ harrt.
Die Kapitalbildung ist in der Depression wie immer ($ 48) eine wirkliche
Vermehrung des „investierten Kapitals‘, und zwar in erster Linie eine
Vermehrung des festen Realkapitals. Diese „Kapitalansammlung“‘ ist
auch kaum als eine Bedingung der Hochkonjunktur aufzufassen, genügt
jedenfalls bei weitem nicht als Grundlage für die gesteigerte Produktion
der Hochkonjunktur, Zu einem wesentlichen Teile muß diese Erweiterung
der Produktion, wie wir gesehen haben, immer auf Pro-