320 Kap. XVI. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktionsmittel.
duktionsmittel, welche die Hochkonjunktur selbst geschaffen hat,
fußen.
Das Kapitalansammeln der Depression ist auch zum Teil ein An-
häufen von beweglichem Realkapital, also von Lagerbeständen, von
Waren, die in der Depression keine Käufer finden. Solche Ware
können Materialien zu festem Kapital oder zu Produkten, die in die
Konsumtion übergehen, sein oder auch eigentliche Verbrauchsgegen-
stände. Manscheint sich zuweilen vorzustellen, daß die Hochkonjunktur
erst durch ein solches Ansammeln von Lagerbeständen ermöglicht
wird. Nach dieser Anschauung, die wenigstens den Vorzug hat, da
sie für das Kapitalanhäufen, das man durchaus als Vorbedingung de
Hochkonjunktur annehmen will, eine konkrete Unterlage voraussetzt
würde die außerordentlich gesteigerte Produktion von festem Kapital,
welche die Hochkonjunktur auszeichnet, teils direkt durch die Lager-
bestände von Materialien zu solchem Realkapital erleichtert, teils auch
dadurch befördert werden, daß Produktivkräfte, dank den Beständen
von Konsumgütern oder Materialien dazu, von der unmittelbaren Ver-
sorgung der Konsumenten zur Produktion von festem Kapital gezogen
werden könnten. Es liegt in dieser Betrachtungsweise ein Rest der alten
Smithschen Vorstellung, nach welcher „ein Gütervorrat irgendwo
aufgespeichert werden mußte‘‘, bevor eine kapitalistische Produktion
angefangen werden konnte (vgl. S. 32). Hier soll nun festgestellt werden,
daß das etwaige Vorhandensein von Lagerbeständen der gedachten Art
hne wesentliche Bedeutung für die Hochkonjunktur sein muß, da
och, wie wir wissen, die Produktion von Materialien und Verbrauchs-
egenständen in der Hochkonjunktur in der Regel auf allen Gebieten
mehr als normal gesteigert wird, und also die Hochkonjunktur in de
Hauptsache selbst ihren Bedarf an diesen Artikeln deckt. Ob z. B
ie vorhergehende Depression Lagerbestände von Roheisen übrig-
elassen hat, ist für die Entwicklung der Hochkonjunktur ziemlich
leichgültig, da der Zuschuß zur Bedarfsdeckung, der aus solchen Be-
ständen genommen wird, jedenfalls im Verhältnis zur gewaltigen Pro-
duktion der Hochkonjunktur selbst kaum sehr ins Gewicht fällt.
Obwohl eine einwandfreie Statistik der in den Depressionen sich
nhäufenden Lagerbestände schwer zu beschaffen ist, dürfte man doch
behaupten können, daß die Depression nicht vor allem durch eine
„Überproduktion‘‘, also eine Produktion von bis auf weiteres unver-
äuflichen Waren, sondern vielmehr durch eine unvollständige Aus-
utzung der vorhandenen Produktionsmittel gekennzeichnet wird ($ 70).
ie hier und .da von der Depression zufällig nachgelassenen Lager-
estände bilden dann keine allgemeine oder notwendige Bedingung für
ie Entstehung der Hochkonjunktur, also auch kein wesentliches
lement in der Erklärung der Möglichkeit derselben.