Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 70. Wechselnde Ausnutzung der Produktionsmittel. E25 
schon beim deutschen Hochofenbetrieb zesehen. Mehrere Hochöfen, 
die in der Depression außer Betrieb waren, werden in jeder Hoch- 
konjunktur wieder in Gebrauch genommen. Dies tritt in den Ver- 
einigten Staaten besonders deutlich zutage. Am 31. Dezember 1902 
waren dort 307 Hochöfen im Betrieb, an demselben Tage 1903, nach 
dem Ausbruch der Krise, nur noch 182. Die Zahl der Hochöfen im 
Betrieb Ende 1906 war 340, Ende 1907 aber nur 167. 
Die unvollständige Ausnutzung der dauerhaften materiellen Pro- 
duktionsmittel, die wir für die Depressionsperioden haben feststellen 
können, ist gerade der charakteristische Zug der Depression. Eine 
Depression kann allgemein als eine Periode relativer Beschäftigungs- 
losigkeit der dauerhaften Produktionsmittel definiert werden. Nun sind 
aber, wie wir gefunden haben, die großen allgemeinen Konjunktur- 
bewegungen wesentlich eine Variation in der Produktion von festem 
Kapital. Folglich müssen die Depressionen vorwiegend in einer re- 
lativen Beschäftigungslosigkeit derjenigen dauerhaften Produktions- 
mittel, die zur Produktion von festem Kapital dienen, hervortreten. 
Die Menge der dauerhaften Produktionsmittel dieser Art wird vom 
Höchstbedarfe der Hochkonjunktur bestimmt. Indem die Produktion 
an festem Kapital nach der Krise nachläßt, müssen diese Produktions- 
mittel zum Teil ohne Beschäftigung werden, eben weil sie dauerhaft sind. 
Dies ist es gerade, was die Depression am sichersten kennzeichnet. 
Wir können diese Erscheinung bei der Roheisenerzeugung, die ja 
als Vertreterin der ganzen Produktion von festem Kapital gelten kann, 
verfolgen. In unserem Diagramm (Fig. 13) ist die Roheisenerzeugung der 
Welt wieder dargestellt. In dem Moment, wo die Roheisenerzeugung 
ein Maximum erreicht, muß offenbar eine solche Menge dauerhafter, der 
Roheisenerzeugung dienender Produktionsmittel vorhanden sein, daß 
sie eben zur Maximalproduktion von Roheisen ausreicht. Alle diese 
dauerhaften Produktionsmittel, also die Hochöfen, die Eisengruben, die 
Transportmittel usw. usw., die die Hochkonjunktur nötig gehabt hat, sind 
in der Depression noch da und stellen die Produktionsfähigkeit der 
Gesellschaft auf diesem Gebiete dar. Diese Produktionsfähigkeit ist 
auf dem Diagramme durch eine horizontale punktierte Linie dargestellt, 
die von der Spitze der Hochkonjunktur ausgeht. Solange die Roheisen- 
erzeugung unter dieser Produktionsfähigkeit bleibt, herrscht offenbar 
eine gewisse Beschäftigungslosigkeit der in Frage stehenden dauerhaften 
Produktionsmittel. Diese Beschäftigungslosigkeit dauert so lange 
fort, bis die Roheisenerzeugung die frühere Produktionsfähigkeit über- 
ragt, also unsere Kurve die punktierte Linie schneidet. Man kann also 
in dieser Weise die Depressionsperioden graphisch konstruieren. Sie 
sind auf unserem Diagramm durch schraffierte Felder dargestellt. 
Dieses Diagramm gibt und. zugleich eine richtige und konkrete Vor- 
stellung der Natur der Depressionen: eine Depression ist eine 
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