530 Kap. XVII. Einfluß der Konjunkturen auf die Preisbildung usw.
Siebzehntes Kapitel.
Einfluß der Konjunkturen auf die Preis-, Einkommen-
und Kapitalbildung.
$. 71. Die Warenpreise,
Wenn wir uns nunmehr von den konkreten Vorgängen auf dem
Gebiete der Produktion dem Prozesse des Austausches zuwenden,
haben wir zuerst die Einwirkung der Konjunkturen auf die Preisbildung
ins Auge zu fassen. Dabei haben wir uns zunächst auf Materialien und
Verbrauchsgegenstände zu beschränken, deren Preise eben die Preise
ihrer Anwendung sind. Die Preisbildung der dauerhaften Güter, die
festes Kapital sind, können wir erst später in Betracht ziehen, da diese
Preisbildung, wie wir wissen, eine zusammengesetzte Erscheinung ist
in welche der Preis der Kapitaldisposition, also der Zinsfuß, schon mit
hineinspielt.
Die Waren, die wir hier zu studieren haben, zerfallen in die zwei
Hauptgruppen: Materialien des festen Kapitals und andere Waren,
Sehen wir zu, wie sich die Preisbildung für diese beiden Hauptgruppen
unter den wechselnden Konjunkturen gestaltet. Für drei der wichtig-
sten Materialien, nämlich Roheisen, Ziegel und Holz, stellt das Dia-
gramm (Fig. 15) die Preisentwicklung seit 1871 nach der englischen
Statistik darl). Die Preise sind in Prozenten des Preises für das Jahr
1900 berechnet. Man sieht, daß die Preismaxima scharf hervortreten,
und daß sie im allgemeinen mit den Wendejahren zusammenfallen. In
den Hochkonjunkturen können wir regelmäßig eine Steigerung der
Preise der Materialien des festen Kapitals konstatieren. Diese Erschei-
nung ist allgemein anerkannt und ist in allen Ländern zu beobachten.
Es genügt aber nicht, daß wir wissen, daß die Preise der Materialien
des festen Kapitals von den Konjunkturbewegungen beeinflußt werden;
wir müssen uns noch überzeugen, ob auch die Preisbildung der anderen
Waren in derselben Weise und in demselben Grade von den Konjunk-
turen abhängt. Leider sind besondere Indexziffern für die Materi-
alien des festen Kapitals und für andere Waren noch nicht veröffent-
licht worden, was bei der außerordentlichen Wichtigkeit dieser Ein-
teilung sehr zu bedauern ist. Um indessen die Frage wenigstens an-
nähernd beantworten zu können, können wir die Sauerbeckschen
Indexziffern so auflösen, daß einerseits die Indexziffern, die Sauer-
beck für seine Gruppe „Minerals“ angibt, andererseits die Indexziffern
für die Gesamtheit der übrigen Sauerbeckschen Gruppen aufgestellt
ı) Die Ziffern sind in der Tabelle 11 im Anhang wiedergegeben. Board of
Trade. Cd. 4954. 1909. p. 184 und 190