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Disposition des Einkommens in der Richtung einer größeren Sparsam-
keit statt. Die Kaufkraft für Kapitalgüter wird hierdurch gesteigert,
und dies im allgemeinen in noch höherem Grade als ihre Produktion.
In dieser Periode des beginnenden Aufschwungs dürfen wir also eine
allgemeine Preissteigerung für festes Kapital erwarten. Die Bewegung
des Zinsfußes wird vom Ertrag dieses Kapitals abhängen.
In der eigentlichen Hochkonjunktur dagegen, wo der Unternehmer-
gewinn sinkt und die Kapitalbildung eine Tendenz zum Rückgang zeigt,
während die Produktion von festem Kapital noch, sogar in verstärktem
Grade, ihre aufsteigende Bewegung fortsetzt, und also eine Verschie-
bung in der Verwendung des Einkommens stattfindet, die derjenigen auf
dem Gebiete der Produktion entgegengesetzt ist, wird die Knappheit
des Kapitalmarkts wesentlich verschärft, die Preise der Kapitalgüter
gehen zurück und der Kapitalzins wird noch höher steigen müssen,
als dies nach unserer ersten Annahme nötig war.
In der Depression, wo die Produktion von festem Kapital zurück-
geht, wird dem Kapitalmarkte anfänglich, der herabgesetzten Spar-
fähigkeit wegen, weniger anlagesuchendes Kapital zugeführt als unter
der Voraussetzung eines normalen Spargrades der Fall gewesen wäre.
Die Steigerung der Preise des festen Kapitals und der Rückgang des
Zinsfußes werden hierdurch etwas abgeschwächt, ohne jedoch aufgehoben
werden zu können. Im späteren Teile der Depressionsperiode, wo die
Sparkapitalbildung schon wieder stärker wird, während eine Steigerung
der Produktion von festem Kapital noch nicht eingetreten ist, muß der
Kapitalmarkt besonders leicht sein.
Diese Bewegungen werden noch beeinflußt von der Steigerung des
Ertrags des festen Kapitals, welche die Periode des beginnenden Auf-
schwungs auszeichnet. Diese Ertragssteigerung ist ein Ergebnis sowohl
der wesentlich verbesserten Ausnutzung des festen Kapitals, die wir für
diese Periode feststellen konnten, wie auch der Eröffnung neuer, sehr
lohnender Anwendungen von festem Kapital, von welcher die ganze
Aufschwungsbewegung ausgeht. Anfänglich ist diese Ertragssteigerung
wahrscheinlich größer als die Preissteigerung des festen Kapitals, welche
wir eben als eigentümlich für die Periode des beginnenden Aufschwungs
fanden. So erklärt sich, daß der Zinsfuß in dieser Periode eine, wenn
auch langsame Steigerung aufweist. In der eigentlichen Hochkonjunktur
wirkt der gute Ertrag des festen Kapitals mit den früher erwähnten
Faktoren zu einer starken Erhöhung des Zinsfußes zusammen. In der
Depression hilft der schlechte Ertrag des festen Kapitals den Zinsfuß
niedrig zu halten.
Noch einen Faktor haben wir in Betracht zu ziehen, wenn wir den
Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt untersuchen wollen.
Dies ist das Verhalten der Banken, die in der Periode des beginnenden
Aufschwungs ziemlich allgemein fortfahren, ihre Zahlungsmittel zum
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