Full text: Theoretische Sozialökonomie

562 Kap. XVIIL Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt. 
folgende jährliche Durchschnittskurse der Berliner Börse angeführt 
werden: 
1904 1905 1906 1907 1908 
Gelsenkirchener Bergwerk 219,18 230,21 224,84 198,50 189,33 
Harpener Bergwerk 205,451 1215,47” 9214,34. ®203;89° 198,07 
Bochumer Gußstahl 200,90 1.8247,781 W244,79% 8217,47 212,75 
Dortmunder Union 83,40 93,67 86,50 71,02 58,54 
Königs- und Laurahütte 243,37 261,72 243,86 225,51 207,09 
Berliner Maschinenbau 238,35 251,88 243,89 220,09 232,55 
Allgem. Elektr.-Ges. 219;64 4234,238 4217,80 ‘198,14 212,79 
Siemens & Halske 148,79_ 186,71 4187,35 _ 2169,71: 183,79 
Es zeigt sich, daß auch diese Werte regelmäßig ihren höchsten 
Durchschnittskurs mit dem Jahre 1905 erreicht haben. Nur für das 
zuletzt angeführte Papier hat in dieser Hinsicht eine unwesentliche 
Verschiebung stattgefunden. 
8 79. Die Kapitalknappheit der Hochkonjunktur. 
Die Anspannung des Kapitalmarktes im letzten Teil der Hoch- 
konjunktur zeigt sich nicht nur in steigenden Zinssätzen und Kurs- 
rückgängen der Börseneffekten. In jeder solchen Periode hat man auch 
Gelegenheit, einen wirklichen Mangel an Kapital direkt zu beobachten. 
Dieser Mangel tritt in einer Erschwerung der Kapitalbeschaffung zu- 
tage, unter welcher auch solide und sehr lohnende Unternehmen zu 
leiden haben. 
Diese Schwierigkeiten wirken natürlich auf die Produktion von 
festem Kapital zurück. Nicht jede solche Produktion kann aber un- 
mittelbar eingeschränkt werden. Das Gebiet, wo man zuerst eine 
Einschränkung der Produktion als Folge der zunehmenden Kapital- 
knappheit erwarten kann, ist offenbar die Bautätigkeit, wo die ein- 
zelnen Unternehmungen relativ schnell abgeschlossen werden, und wo 
also eine Einschränkung der Produktion am leichtesten möglich ist. 
Die Kapitalknappheit zeigt sich hier in einer steigenden Schwierigkeit, 
fertig gebaute Häuser zu verkaufen oder zum fortgesetzten Bauen die 
nötigen Kredite zu bekommen. Da die Bautätigkeit von solcher Kapital- 
beschaffung in hohem Grade abhängig ist, und da. sie es ohne weiteres 
unterlassen kann, Neubauten wieder anzufangen, darf man es vielleicht 
als normal‘ betrachten, daß die Anspannung des Kapitalmarktes schon 
in der Hochkonjunktur einen Rückgang der Bautätigkeit erzwingt, 
und daß also das Maximum dieser Tätigkeit etwas vor dem Ende der 
Hochkonjunktur liegt. Dies wird durch unsere oben ($ 64) angeführte 
Statistik von der nordamerikanischen Bautätigkeit bestätigt.
	        
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