$ 83. Die Entstehung eines internationalen Handels. Das Merkantilsystem. 581
übung der Königsmacht in der allgemeinen Vorstellung eingebürgert
hatte, konnte auch eine parlamentarische Regierung die Einheit des
Staates vertreten. Die neue Staatsmacht hat einen freien Verkehr im
Innern sowohl durch Beseitigung früherer künstlicher Hindernisse wie
auch durch positive Arbeit auf Verbesserung der Verbindungen und
Transportmöglichkeiten gefördert. Die allmähliche Entwicklung der
Tauschwirtschaft, die hierdurch ermöglicht wurde, ließ die wirtschaft-
liche Einheit des Landes immer mehr als eine Realität hervortreten.
Bewußt oder unbewußt hat auch die Staatsmacht die Entwicklung der
Tauschwirtschaft zu beschleunigen gesucht. Die vielen Maßnahmen
zur Förderung der Arbeitsteilung, die Konzentration des Handwerks
und des Handels in den Städten, die Bestrebungen zur Stärkung der
berufsmäßigen Produktion und vor allem der Manufakturen, haben in
dieser Beziehung ihre Bedeutung.
Die Interessengemeinschaft des Landes, wurde vom Anfang an in
starkem Gegensatz zu fremden Ländern aufgefaßt. Eine bestimmte
Abgrenzung des eigenen Landes von fremden Ländern durch eine ein-
heitliche Zollgrenze war aber sehr schwer zu erreichen, und eine wirk-
same Grenzbewachung ist überhaupt meistens erst eine Errungenschaft
einer späteren Zeit. Eine effektive Zollgrenze hat aber für die Aus-
bildung des Begriffes des internationalen Handels eine wesentliche Be-
deutung: in der modernen Auffassung ist der internationale Handel
wesentlich ein Handel zwischen selbständigen und einheitlichen Zoll-
gebieten.
Die äußere Handelspolitik des so ausgebildeten Staates hatte, wie
schon gesagt die wesentlichen Richtlinien der früheren städtischen
Handelspolitik übernommen. Sie war — wenigstens zuweilen — auf
eine gute und billige Versorgung der Konsumenten gerichtet, hat sich
z. B. bestrebt, die nötige Getreidezufuhr zu sichern. Sie war aber in
viel höherem Grade eine protektionistische Politik zur Förderung der
nationalen Produktion. Die Mittel hierfür waren in erster Linie Ver-
bote gegen jeden Handel, der die nationale Produktion irgendwie schä-
digen könnte, also Exportverbote für Robmaterialien und Maschinen,
Verbote gegen Auswanderung ausgebildeter Arbeiter usw., andererseits
auch Importverbote gegen konkurrierende ausländische Produkte. Wenn
diese Verbote zuweilen durch Zölle ersetzt wurden, so war dies meistens
eine Einräumung an das fiskalische Interesse des Staates, der den aus-
wärtigen Handel als Einnahmequelle auszunützen wünschte, zuweilen
wohl aber auch eine Einräumung .an das Konsumenteninteresse. Im
übrigen hat der damalige Protektionismus auch mit allerlei direkten
Unterstützungen, Steuerfreiheiten, Ausfuhrprämien u. dgl. gearbeitet.
Auch die Politik der Machtentfaltung zur Eroberung des größt-
möglichen Anteils im Welthandel hat der Nationalstaat übernommen
und im großen Stile verfolgt. In dieser Handelspolitik trat die mili-