8 89. Die Preisbildung bei internationalem Handel. #21
für sich in der Nachfrage dadurch bereiten, daß sein Preis stark herab-
gesetzt wird. Nach dem Zustandekommen des hier gedachten Aus-
tausches von fertigen Produkten wird dieser Produktionsfaktor in A
nur für diejenigen Produktionszweige in Anspruch genommen, die ein
besonders starkes Bedürfnis von diesem Produktionsfaktor haben.
Dafür wird er aber auch für ähnliche Produktionszweige in B nach-
gefragt. Die Gesamtnachfrage ist deshalb jetzt stärker als früher.
Dies bedeutet nicht, daß die Nachfrage in größerem Umfang befriedigt
werden kann, denn die zur Verfügung stehende Menge des gedachten
Produktionsfaktors in A ist gegeben. Es bedeutet aber, daß ein höherer
Preis angesetzt werden muß, um die Nachfrage hinreichend zu be-
schränken. Wenn B besonders schlecht mit diesem Produktionsfaktor
ausgerüstet ist, so müßte sein Preis im Zustand der Isolierung sehr hoch
sein, um die Nachfrage hinreichend zu begrenzen. Nachdem ein inter-
nationaler Handel zustandegekommen ist, braucht dieser Produktions-
faktor nicht länger für diejenigen Produktionszweige in Anspruch ge-
nommenzu werden, die besonders große Mengen von demselben verwenden.
Es kann sein, daß er dafür in Produktionszweigen in Anspruch ge-
nommen wird, die auch für die Nachfrage in A arbeiten, die aber nur
kleine Bedürfnisse von diesem Produktionsfaktor haben. Im ganzen
wird aber die Nachfrage schwächer als früher und kann mit einem
geringeren Preis innerhalb der notwendig:an Grenzen gehalten werden.
Der Preis dieses Produktionsfaktors ist also in A gestiegen aber
in B gefallen. Gleichzeitig ist offenbar ein entsprechender Preisaus-
gleich aber in entgegengesetzter Richtung für andere Produktions-
faktoren eingetreten. Zu einem vollständigen Ausgleich kommt es
nicht. Die für jedes Land eigentümliche relative Knappheit der ver-
schiedenen Produktionsfaktoren behält einen Einfluß auf die Preis-
bildung, welcher in der Gleichgewichtslage die preisausgleichende
Tendenz des Austausches von fertigen Gütern aufwiegt.
Nehmen wir der Einfachheit halber an, daß nur ‘drei Produktions-
faktoren, Arbeit, Boden und Kapital, in beiden Ländern vorhanden
sind, daß beide Länder ungefähr ebenso reichlich mit Kapital versorgt
sind, aber daß A reichlich mit Boden und knapp mit Arbeit, B dagegen
knapp mit Boden und reichlich mit Arbeit versorgt ist. Bevor ein
internationaler Handel zustandegekommen ist, hat A also niedrige
Bodenpreise und hohe Arbeitslöhne, B dagegen hohe Bodenpreise und
niedrige Arbeitslöhne. Ein solcher Vergleich ist natürlich ganz relativ.
Wir haben keine Möglichkeit, Arbeitslöhne und Bodenpreise in B direkt
zu vergleichen. Nur wenn wir dieselben von A aus betrachten und
vom Gesichtspunkte der Preislage in A beurteilen, ist es uns möglich,
festzustellen, daß eine Ungleichmäßigkeit in der Preisbildung in den
beiden Ländern vorliegt. Wenn nun ein internationaler Handel zustande
kommt, tritt eine Arbeitsteilung ein, wobei sich A vorzugsweise auf
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