Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 89. Die Preisbildung bei internationalem Handel. 23 
Der Nutzen des internationalen Handels besteht in erster Linie 
darin, daß die Nachfrage einer vielseitigeren Versorgung mit elemen- 
taren Produktionsfaktoren gegenübergestellt wird. Sie braucht also 
nicht länger so einseitig und mit einem so harten Preisdruck beschränkt 
zu werden, “wie dies in einem Zustande der Isolierung notwendig war, 
sondern kann in vielseitigerer und harmonischerer Weise versorgt 
werden. Das Prinzip der Knappheit ist bei internationalem Handel 
leichter zu erfüllen, seine Härte wird abgemildert. 
Auch mit Bezug auf die supplementären Prinzipien der Preis- 
bildung gestaltet sich die Lage bei internationalem Handel vorteil- 
hafter als bei Isolierung. Das Substitutionsprinzip z. B. kommt besser 
zur Geltung, weil die Produktion eines Gutes nach einem Land ver- 
legt werden kann, wo die Voraussetzungen einer technisch günstigen 
Zusammenstellung von Produktionsfaktoren am vorteilhaftesten liegen 
oder weil überführbare Produktionsmittel in einem Lande gesammelt 
werden können, wo dadurch die besten Substitutionsmöglichkeiten er- 
reicht werden. Der internationale Handel fördert in dieser Weise die 
möglichst effektive, d. h. die billigste Produktion. 
Eine ähnliche Wirkung hat der internationale Handel, indem er 
eine Konzentration der Produktion in Großbetrieben ermöglicht, 
welche mit geringeren Kosten arbeiten als die relativ kleinen Betriebe, 
die im Zustand der Isolierung jedes Land für sich aufrechterhalten 
könnte. Das Prinzip der Kostenverminderung durch Vergrößerung 
der Betriebseinheit erhält also durch den internationalen Handel einen 
weiteren und fruchtbareren Spielraum. 
Der Nutzen, den der internationale Handel stiftet, besteht, wie wir 
sehen, in der Beweglichkeit, die er da einführt, wo früher Isolierung 
herrschte. Könnte eine volle Beweglichkeit ohne Überführungskosten 
gewonnen werden, so würden wir denselben Zustand haben, von welchem 
wir bei unserer grundlegenden Behandlung der allgemeinen Theorie 
der Preisbildung ausgegangen sind, also einen Zustand, wo für’ jedes 
Gut ein einheitlicher Preis herrschte. Dieser Zustand bezeichnet die 
höchste Wirtschaftlichkeit. Nun kann der internationale Handel nie- 
mals eine vollständige Beweglichkeit schaffen, die Isolierung ganz 
beseitigen. Die Wirtschaftlichkeit, die er zustande bringt, ist also stets 
nur relativ, bezeichnet nur einen geringeren Grad der idealen Wirt- 
schaftlichkeit der vollständigen Beweglichkeit. Immer ist jedoch die 
erreichte Wirtschaftlichkeit größer bei größerer Beweglichkeit, und 
jede Verminderung der Beweglichkeit bedeutet eine herabgesetzte 
Wirtschaftlichkeit des ganzen ökonomischen Systems. 
Es ist zu beachten, daß der Nutzen des internationalen Handels 
nur sozial, also für die Gesamtheit des Volkes, beurteilt werden kann. 
Privatökonomisch zeigt der internationale Handel sowohl Gewinne 
wie Verluste. Da für gewisse elementare Pioduktionsfaktoren die 
Oz
	        
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