Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 12. Die Regulierung der Produktion. -Prinzip der Knappheit. 81 
berechneten Preise der fertigen Güter diese stetig wachsende Nach- 
frage hinreichend beschränken. 
Da sich der Preisbildungsprozeß auch auf die Produktionsmittel 
erstreckt und also für jedes Produktionsmittel, das in Knappheit vor- 
handen ist, ein Preis bezahlt wird, wird dieser Preis dem Besitzer des 
Produktionsmittels zufließen und für ihn ein Element in der Bildung 
seines Einkommens darstellen. Welche diese Besitzer sind, hängt von 
der Organisation der Gesellschaft, besonders von der relativen Aus- 
dehnung des Privateigentums und des Kollektiveigentums ab, ist aber 
für unsere Auffassung des Wesens der Einkommensbildung ohne prin- 
zipielle Bedeutung. Ein Produktionsmittel gehört jedoch, wie schon 
hervorgehoben ($ 7), in der Tauschwirtschaft notwendig der einzelnen 
wirtschaftenden Person, nämlich die persönliche Arbeitskraft. Erst 
durch die Verfügung des einzelnen über seine Arbeitskraft wird die 
Einzelwirtschaft die selbständige wirtschaftliche Einheit, deren Existenz 
innerhalb der Gesamtwirtschaft eben die Tauschwirtschaft charakte- 
risiert. Innerhalb der Tauschwirtschaft beziehen also die Einzelwirt- 
schaften immer selbständige Einkommen, mögen diese nun lediglich aus 
Arbeit oder daneben auch aus dem Besitz anderer Produktionsmittel 
fließen, und diese Einkommen sind bestimmt, sobald die Preise der 
Produktionsmittel bestimmt sind. Wenn einige Produktionsmittel Kol- 
lektiveigentum sind, ziehen die betreffenden Kollektivorganisationen 
ebenfalls ein Einkommen daraus; sie sind aber, wie oben (8 10) be- 
merkt, bei der Betrachtung der Gesamtwirtschaft den privaten Einzel- 
wirtschaften gleichzustellen. 
Der Begriff des Einkommens wird durch diese Betrachtungen 
gewissermaßen verändert. Ursprünglich haben wir das Einkommen 
als die Menge von fertigen Gütern, die in der Einheitsperiode den 
einzelnen zufließt, eventuell mit Zuschlag der Vermehrung des Real- 
kapitals, aufgefaßt; dann haben wir das Einkommen in geldwirtschaft- 
lichem Sinne als den Geldwert ‘dieses Realeinkommens definiert. Jetzt 
wird dieses Einkommen auf seine Quellen zurückgeführt und als die 
Geldsumme aufgefaßt,/ welche die Einzelwirtschaft für die von ihr 
während der Einheitsperiode gelieferten Produktionsmittel bekommt. 
Dieses Geldeinkommen wird teils „verbraucht“, teils „ erspart‘, dich: 
es wird benutzt direkt oder indirekt, durch Überführung an andere 
Wirtschaften, teils zum Kauf von fertigen Gütern, die in die Konsumtion 
übergehen, teils zum Kauf von Gütern, die eine Vermehrung des Real- 
kapitals der Tauschwirtschaft repräsentieren. Die Summe der so auf- 
gefaßten Einkommen der Einzelwirtschaften kann als Gesamtein- 
kommen der Tauschwirtschaft betrachtet werden. Dieses Einkommen 
kauft die Gesamtheit der fertigen Güter, die in der Periode aus dem 
Produktionsprozeß hervorgehen, sowie auch die ganze Vermehrung, 
Cassel, Theoret, Sozialökonomie, 4. Aufl. 
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