Full text: Theoretische Sozialökonomie

82 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
des Realkapitals während der Periode und dient dadurch schließlich 
zur vollständigen Bezahlung der Mitwirkung der Produktionsmittel in 
der betrachteten Periode. Es geht hieraus hervor, daß unser Begriff 
des Einkommens tatsächlich ein einheitlicher ist, wenn er auch von ver- 
schiedenen Gesichtspunkten ein verschiedenes Aussehen zeigt. Dieser 
ganze Prozeß der Einkommensbildung fällt vollständig innerhalb des 
allgemeinen Preisbildungsprozesses und wird von diesem bestimmt. Die 
Preisbildung umfaßt damit auch den Prozeß, den man als die „Ver- 
teilung‘ zu bezeichnen pflegt, und der einfach als die reale Einkommens- 
bildung beschrieben werden kann. Daß aber diese Einkommensbildung 
auch andere Momente enthält, die außerhalb des Preisbildungsprozesses 
fallen, wird in $ 20 gezeigt. 
Das Einkommen jeder Einzelwirtschaft wird, wie gesagt, im all- 
gemeinen zum Teil gespart, zum Teil verbraucht. Zuweilen verbraucht 
der einzelne etwas mehr als sein Einkommen, was dadurch ermöglicht 
wird, daß das ersparte Einkommen anderer Wirtschaften ihm z. B. 
leihweise zur Verfügung gestellt wird. Das in jedem einzelnen Falle 
für den Verbrauch bestimmte Einkommen repräsentiert ‚die Geld- 
summe, die jede Einzelwirtschaft für ihre Bedürfnisbeiriedigung in der 
betrachteten Periode ausgibt‘ (S. 62), und die wir bisher als gegeben 
angenommen haben. Wir finden jetzt, daß diese Geldsumme in Wirk- 
lichkeit vom Einkommen und damit von den Preisen der Produktions- 
mittel abhängt. Vielleicht wird der einzelne auch in seinem Spargrad 
sowohl von der Höhe seines Einkommens wie von den Preisen der 
fertigen Güter beeinflußt. Die betreffende Geldsumme ist dann jeden- 
falls bestimmt, sobald die Preise der Produktionsmittel gegeben sind?). 
Unsere bisherige Voraussetzung, nach welcher diese Geldsumme 
als ein gegebener Faktor des Problems betrachtet wurde, müssen wir 
also jetzt fallen lassen. Die hier angegebenen Bedingungen, durch 
welche das Preisbildungsproblem bestimmt wird, bleiben aber dabei 
unverändert. Denn sie setzen nur voraus, daß die Nachfrage nach 
fertigen Gütern bestimmt ist, sobald die Preise der Produktionsmittel 
und damit die Preise der fertigen Güter gegeben sind. 
In der stationären Tauschwirtschaft, in der im ganzen kein Sparen 
vorkommt, wird das von den Preisen der Produktionsmittel bestimmte 
Einkommen ausschließlich zum Kauf der in der Einkommensperiode 
der Konsumtion überlieferten fertigen Güter verwendet. Der Gesamt- 
wert der Produktionsmittel, die ifı der Periode dem Produktionsprozeß 
zugeführt worden sind, ist auch gleich dem Gesamtwert der in der- 
selben Periode fertiggestellten Güter. Die für den Kauf von fertigen 
Gütern in jeder Einheitsperiode bestimmte Geldsumme bleibt in der 
stationären Wirtschaft konstant. 
1) Über die Bedeutung des Zinsfußes in diesem Zusammenhang siehe 8 26;
	        
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