Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

das Feilen überhaupt angegeben, einschließlich das Rundfeilen. Die 
letzte Reihe enthält die Zahl der Stunden, die für Feilen, Sägen, Häm- 
mern (Nieten, Meißeln, Richten) und Bohren, einschließlich Gewinde: 
schneiden angewendet worden sind. 
Die Lehrlinge wurden alle vorgängig ihrer Anstellung in der psycho- 
technischen Prüfstelle des Betriebes untersucht. Alle die Angenomme- 
nen verfügen über genügend gut entwickelte natürliche Fähigkeiten und 
sind deshalb für den gewählten Beruf von Natur aus qualifiziert. Lehr- 
ling Nr. 4 ist von kräftiger Konstitution und hat gute Fähigkeiten, ist 
aber nicht gewöhnt zu arbeiten. Die schlechten Gewöhnungen, die er 
mitgebracht hat, haben im Betrieb noch ziemlich lange nachgewirkt, da- 
her die relativ hohen Stundenzahlen im Anfangsstadium. Mittlerweile 
ist die Umgewöhnung so weit fortgeschritten, daß er heute ebenso gut 
arbeitet wie die anderen. Nr. 6 ist ein Spenglerlehrling, weshalb bei 
ihm die Instruktion im Feilen, Bohren ete. beschleunigt werden konnte. 
Lehrling Nr. 8 ist noch etwas schwächlich; bei ihm war namentlich am 
Anfang angezeigt, langsam vorzugehen, damit sich seine Konstitution all- 
mählich stärken konnte. 
Lehrling Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 
Flachfeilen 13 23 28 44 35 27 85 184 
Feilen 69 65 60 81 62. 35 63 104 78 
Lehrplan bis Bohren 138 133 96 120 138 96 172 226 168 
In diesen Stundenzahlen sind die viertelstündigen Pausen inbegrif- 
fen, während denen die Lehrlinge sich im Messen und Anreißen übten, 
ebenso die Uebungen an praktischen Serien, bei denen bereits ein ge- 
wisses Training einsetzte. 
Unter Berücksichtigung aller dieser Faktoren ergibt sich, daß das 
Erlernen des Flachfeilens durchschnittlich 25 bis 30 Stunden in An- 
spruch nimmt, das Feilen im allgemeinen 50 bis 60 Stunden. Alle 
Grundoperationen, einschließlich das Bohren und Gewindeschneiden, 
können in 100 bis. 150 Stunden so angelernt werden, daß bei relativ 
raschem Arbeiten hochwertige Qualitätsarbeit sicher ist. Nach 2 bis 3 
Wochen entwickelten sich diese Lehrlinge zu ganz brauchbaren Arbei- 
tern, und zwar zu Arbeitern, die die Grundoperationen gut beherrschten; 
exakt und mit Freude arbeiteten. Selbstverständlich wissen sie noch 
nicht alles, was in ihrem späteren Berufe wichtig ist. Wenn neue Ar- 
beiten an sie herantreten, so muß ihnen jeweils gezeigt werden, wie sie 
angepackt werden müssen. Vebrigens ist das bei der modernen Ar- 
beitsteilung auch für ausgelernte Arbeiter der Fall. Die Qualitätskon- 
trolle der Arbeitsleistungen zeigte, daß diese Lehrlinge nach 10 Monaten 
schon rascher und qualitativ besser arbeiten als der Durchschnittsarbei- 
ter von heute mit seinen langen Erfahrungen und dem Anreiz des Ak- 
kordlohnsystemes. 
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