Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

Viertes Kapitel. 
Auswärtige Angelegenheiten. 
Die Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten umfassen die Kosten der Ministerien des auswärtigen 
Dienstes, der diesen unterstellten Auslandsvertretungen sowie die Beiträge für völkerrechtliche Insti- 
tutionen. Die Ausgaben für die auswärtigen Angelegenheiten dienen zu einem Teile auch Zwecken der 
Wirtschaftsförderung. So werden in den Außenministerien und bei den ausländischen Vertretungen 
vielfach Fragen der Handelsverträge, des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes usw. bearbeitet. Die 
Kosten dieser Art lassen sich jedoch nur selten von denen der politischen Maßnahmen und der reinen 
diplomatischen Vertretung trennen und sind daher oft in den Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten 
mitenthalten (vgl. S. 351 ff.). 
Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten. 
Großbritannien! Frankreich | Belgien | Italien 
| OA Ss PS 
Vor- | Nach- Vor- Nach- | Vor- | Nach- |. Vor- | Nach- 
kriegs- | kriegs- | kriegs- | kriegs- " kriegs- | kriegs- | kriegs- | kriegs- 
etat | etat  otat etat etat ' etat | etat | etat 
in 1000 Mark Vorkriegskaufkraft 
1. Zentralverwaltung ......... 1400 597 5916 372 6 
2, Ausländische Vertretungen.. ' 20247 57 00611. 2728 | 10% 559 
CT ne 408 | 14307 83 Ma 5.176 
Insgesamt ... 22555 | 31 033 18552 | 279% 13.474 
! | 
Die Kosten für die Organisation des auswärtigen Dienstes stehen im Zusammenhang mit der welt- 
politischen Bedeutung der Staaten. Nach ihr richtet sich die Intensität des diplomatischen Verkehrs, 
die Aufrechterhaltung von Amtsstellen im Auslande, die Höhe der Beiträge für völkerrechtliche Insti- 
tutionen usw. Die Ausgaben für die Zentralverwaltung des auswärtigen Dienstes (vgl. Ziffer1 
der vorstehenden Übersicht) sind unter Umrechnung auf Vorkriegskaufkraft nur in Frankreich zurück- 
gegangen, wobei sich nicht feststellen ließ, inwieweit dieser Rückgang auf Begleiterscheinungen der 
Geldentwertung bzw. der Umrechnung auf Vorkriegskaufkraft zurückzuführen ist. Großbritannien hat 
eine bemerkenswerte Steigerung der Aufwendungen für diesen Zweck aufzuweisen, deren Grund 
im wesentlichen in der Neuordnung der Verhältnisse durch den Krieg und die Friedensschlüsse liegt. 
Die Erweiterung der britischen Interessen in Kleinasien, Arabien usw, brachte höhere Anforderungen 
an den auswärtigen Dienst mit sich. Auch in Belgien und Italien sind, wohl infolge der höheren außen- 
politischen Aktivität, die Kosten des Außenministeriums gegenüber der Zeit vor dem Kriege gewachsen. 
In Belgien betrug z. B. die Zahl der Beamten des Ministeriums am 31. Juli 1914 149, am 1. Juli 1924 
dagegen 3953). 
F Die Ausgaben für die auswärtigen Vertretungen (vgl. Ziller 2 der vorstehenden Übersicht) zeigen 
in Großbritannien und Frankreich gegenüber der Vorkriegszeit dieselbe Tendenz zur Ausdehnung wie die 
Ausgaben Großbritanniens für die Zentralverwaltung. In Belgien und Italien haben sich die entsprechenden 
Posten dagegen verringert. Der Grund hierfür ist nicht ersichtlich, um so weniger, als die Aufrecht- 
erhaltung auswärtiger Vertretungen in hochvalutarischen Ländern für ein Land mit fallender Währung 
besonders hohe Aufwendungen (gemessen an der Inlandskaufkraft) zu erfordern pflegt, 
; Unter den Aufwendungen für völkerrechtliche Institutionen (vgl. Ziffer 3 der vorstehenden 
Übersicht) steht an erster Stelle in der Nachkriegszeit der Beitrag zum Völkerbund. 
1) Ohne eine Nachtragsbewilligung von 90 000 Mark Vorkriegskaufkraft für ein Gesandtschaftsgebäude in Helsingfors, 
2) Ohne eine Nachtragsbewilligung von 721 000 Mark Vorkriegskaufkraft für Entschädigung britischer Untertanen für Verluste von 
bei britischen Behörden in Rußland deponierten Rubelbeträgen im Jahre 1918. 
2) Anneze IIT zum Ezxpose General für das Budget 1925, 
120
	        
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