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Futtermittel.
Fig. 140. Gewebselemente des Olivenkerns. Nach J. Möller. (Vergr. 160.)
m Steinzellen ans der mittleren Schicht der Steinschale, a Faserzellen, welche die Gefäßbündel be
gleiten, i innere Steinzellen, darunter das Endothel en, p Zellen aus dem Fruchtfleisch, ep Oberhaut
der Samenschale mit durchschiiumerndem, braunem Parenchym, ea Außenschicht des Endosperms,
E Gewebe der Keimblätter, e Embryonalgewebe, sp Spiroiden aus der Samenhaut.
Rizinussnnieu, Ricinus communis L.
Die Samen des Rizinus finden wegen ihrer abführenden und die Verdauungs-
werkzeuge reizenden Wirkung als Futtermittel keine Verwendung.
Dieselben bestehen aus 24 °/ 0 Schale und 76 °/ 0 Kern; letzterer enthält 45
bis 60°/ o fettes Öl, Eicinin, und einen glykosidähnlichen Körper, welcher ähnlich
dem Amygdalin in Berührung mit Wasser die Entstehung eines widrig riechenden,
gütigen Körpers von noch unbekannter Natur veranlaßt.
Die durch Pressen bis auf 10 °/ 0 vom Öl befreiten Samen enthalten noch die
jenigen Stoffe, welche die drastisch giftige Wirkung des Samens bedingen; denn
man beobachtete, daß nach dem Verfüttern von rizinushaltigen Kraftfuttermitteln
an Kühe sämtliche Individuen unter den Erscheinungen der Appetitlosigkeit, des
Versagens der Milch, von Diarrhöe, vollständiger Apathie, gestörtem Bewußtsein und
Krämpfen erkrankten.
Die Verfütterung von Rizinuskuchen führt nach den bis jetzt gemachten
Erfahrungen zu den schlimmsten Folgen und sollte verboten werden. Mitunter
werden dieselben im gepreßten Zustande als Ölkuchen vorwiegend aus Südrußland
angeboten und ist anzunehmen, daß sie entweder als solche oder mit anderen Öl
kuchen vermischt Verwendung finden.
Die Preßkuchen von ungeschältem Eizinussamen sehen dunkelschwarz wie
Nigerkuchen aus.
Das Zellgewebe der Rizinussamen zeichnet sich durch die radial gestellten
Palissaden der Schale aus (vergl. Querschnitt 1), unter denen ein parenchymatisches,
von zahlreichen derben Spiralgefäßen durchsetztes Gewebe liegt.
Nach dem Behandeln der Preßrückstände des Rizinus mit Salpetersäure und
Kalilauge fallen besonders die langgestreckten, stark verdickten, im basalen Teil
schmalen Zellen der Samenschale auf.
Dieselben sind verhältnismäßig lose miteinander verbunden, so daß sie in
dem mikroskopischen Präparat zum Teil einzeln oder in Bündeln auftreten. Bei