Vorwort zur ersten Ausgabe.
Die Geschichte der Doktrinen nimmt in dem französischen staats
wissenschaftlichen Unterricht einen bedeutend größeren Platz ein,
als in irgendeinem anderen Lande. In jeder Rechtsfakultät steht
ihr ein eigener Lehrstuhl zur Verfügung; im Doktorexamen für
Nationalökonomie ist eine besondere Prüfung für sie vorgesehen, und
ebenso muß bei der Zulassung zum staatswissensehaftlichen Agrege
eine schriftliche Arbeit über sie geliefert werden. An der Sorbonne
ist die einzige bestehende nationalökonomische Professur der Ge
schichte der Doktrinen Vorbehalten, und das gleiche gilt für die, die
vor kurzem an der „Ecole des Hautes Etudes“ geschaffen wurde.
Diese der Geschichte der Doktrinen eingeräumte Bedeutung mag
übertrieben erscheinen, besonders, wenn man darauf hinweist, daß
für die eigentliche Wirtschaftsgeschichte, womit wir die Geschichte
der Einrichtungen und der Tatsachen bezeichnen wollen, in unseren
französischen Universitäten nicht eine einzige Professur besteht!
Diejenigen, die den Franzosen eine angeborene Neigung zur Ideologie
zusprechen, werden nicht verfehlen, hierin eine nicht gerade günstige
Bekundung dieser Veranlagung zu sehen.
In anderen Ländern ist es anders. Dort steht die Geschichte
der Tatsachen, nicht die der Ideen, an erster Stelle. Für alle, die
sich zu der historischen Schule, und noch mehr für die, die sich zu
dem historischen Materialismus bekennen, erscheinen die Doktrinen
und die Systeme nur als die Widerspiegelung der wirtschaftlichen
Umstände; daher komme es hauptsächlich darauf an, diese letzteren
zu studieren. Nicht mit Unrecht glaubt man, daß die Geschichte
der Entwicklung des Eigentums oder die des Arbeitslohnes bedeutend
belehrender ist, als die Geschichte der Streitigkeiten über das Wesen
des Eigentumsrechts oder über die Lohntheorie.
i*