Metadata : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

é. VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
stadtwirtschafstliche System in wenig verminderter Weise vor.
Und die Landesherren stellen auch ihre Politik vorzugsweise
in den Dienst der Ziele der Stadtwirtschaft. Nun gibt es freilich
 neben dem alten auch neue wirtschaftliche Erscheinungen:
Aufkommen einer Großindustrie, Steigerung des Großhandels,
große Messen, Banken, Börsen. Indessen soweit die Landesherren
 mit diesen Dingen überhaupt zu tun haben, fördern Jie
sie einstweilen nur wenig oder stehen ihnen sogar feindlich gegenüber,
 bekämpfen sie im Interesse der alten Stadtwirtschaft.
Der Hauptissache nach stehen jene neuen Erscheinungen gar nicht
im Rahmen der territorialen Grenzen. Der Handel ist entweder
lokal, oder er geht nicht bloß über das Stadtgebiet, sondern auch
über das Territorium hinaus. Die neuen wirtjchaftlichen Erscheinungen
 gehören überwiegend der Volks-, teilweise sogar
der Weltwirtschaft an. Die Territorien sind sämtlich nicht groß
genug, die meisten viel zu klein, um eine Territorialwirtschaft
möglich zu machen. Der Landesherr sieht es mitunter selhst
ein, indem er sich ~+ so beim Münzwesen + mit Nachbarn ver
einigt, um ein größeres Wirtschaftsgebiet herzustellen.
Mit den Bemerkungen über die neuen wirtschaftlichen Er
scheinungen deute ich schon an, daß ich keineswegs beanspruche,
durch die vorhin aufgestellte Formel die ganze Fülle des wirtschaftlichen
 Lebens der hier in Betracht kommenden Jahrhunderte
wiederzugeben. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß wir bei historischen
 Erscheinungen überhaupt darauf verzichten müssen, eine
Bezeichnung ausfindig zu machen, die allen ihren Seiten gerecht
 wird. Bei ihrer Kompliziertheit werden wir nur immer
das Überwiegende andeuten können. Die Autoren, die nicht
müde werden, über die Verkehrtheit der herkömmlichen Einteilung
 des geschichtlichen Verlaufs Altertum, Mittelalter und
Neuzeit zu sprechen, haben ihrerseits noch keine Terminologie
vorschlagen können, die imstande wäre, jene in befriedigender
Weise zu erseßen!). Daß auch der Ausdruck ,„Stadtwirtschaft“
1) Für die Wirtschaftsgesschichte, speziell die Gewerbegeschichte
Deutschlands weist die vorliegende Untersuchung nach, daß das Jahr
1500 einen weniger bedeutsamen Abschnitt bildet als das Jahr 1800

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