Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

Die Textilindustrie im weitesten: Sinne 
des Wortes nahm: ini den Niederlanden: seit 
dem Mittelalter eine alleanderen Industrien 
in den Schatten stellende Rollei ein;j.isie hat 
alle Stufen der technischen Entwicklung und der praktischen Ver- 
wendung (Kleidung, Möbelbezüge, Teppiche, Decken, Flaggen usw.) 
durchgemacht und sowohl die einfachsten wie wertvollsten Erzeug- 
nisse geschaffen und damit sich um die Volkswirtschaft im allge- 
meinen, die technische Entwicklung im besonderen große Verdienste 
erworben. In neuerer Zeit, seit dem Ende des 16. Jahrhunderts, 
sind ihr freilich die meisten Anregungen von auswärts zugegangen; 
oder Fabrikationen, die hier schon bestanden, wurden durch Aus- 
länder zu weiterer, höherer Blüte entwickelt. So verhielt es sich 
auch mit einer Industrie, die mit der alten Textilindustrie in naher 
Verwandtschaft stand und sich namentlich bei der technischen 
Verarbeitung mit ihr eng verknüpfte; das war die Seiden- 
industrie 
Dem Seidenhandel hat man in den Niederlanden schon 
frühzeitig Aufmerksamkeit zugewandt. An dem Bezug dieser wert- 
vollen Stoffe hatte der holländische Handel weitgehendes Interesse. 
Dieses berührte sich mit Plänen, die der Großartigkeit nicht ent- 
behrten. Im Jahre 1620 wurde von Mitgliedern der Generalstaaten 
dem venetianischen Gesandten nahegelegt, man könne die ganze 
Handlung mit Seide in Syrien an sich ziehen unter Ausschluß der 
Franzosen und Engländer!). Und die verschiedenen Versuche der 
Niederländer, durch Rußland hindurch in unmittelbare Handels- 
beziehungen mit Persien zu kommen, die freilich stets an dem Wider- 
spruch der Czaren scheiterten, gingen von dem Wunsche aus, den 
direkten Bezug der Seide zu erleichtern?). Erst später gelang es 
den Holländern, den Transport von Seide über Archangel zu leiten, 
was für sie sehr vorteilhaft war?). Persische Seide war ein Artikel, 
für den holländische Kaufleute stets Geld hatten‘). Allerdings 
5 l) Blok, Rel. Venet., S. 134: 
) Scheltema, 1, 146,335; Lubimenko, S. 44 f. 
3 Scheltema, MI, 179. 
*) Schon 1622 sandte der Czar Seide aus Persien zum Verkauf nach Holland 
(Scheltema,fI, 118); 1659 wurden an einem Tage auf dem Markt in Archangel 
1200 Pfd. pers. Seide für 70 Rtlr. das Pfd. an Amsterd. Kaufleute verkauft (van 
Zuiden, S. 15) 
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