Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

Doch klagten die holländischen Seidenfabrikanten auch über die 
ungenügende Rohseidenzufuhr seitens der Ostindischen Kompanie 
und über die mangelhafte Einhaltung ihrer Verpflichtungen gegen 
die einheimische Industrie!). — 
Neben der Textilindustrie errang sich internationale Bedeu- 
tung der holländische Schiffsbau. Er war naturgemäß aus 
dem Wirtschaftscharakter des Landes erwachsen, denn er war 
als das Hilfsgewerbe für die Schiffahrt mehr 
als jedes andere Gewerbe an das Land gefesselt, von dem aus 
die Schiffahrt getrieben wurde. Selbst wenn man wirklich vom 
Ausland Schiffe beziehen konnte, was früher in der Regel nicht 
leicht war, so konnte ein auf die Schiffahrt angewiesenes Volk wie 
die Holländer ohne eigenen Schiffbau nicht bestehen. 
Über den älteren holländischen Schiffbau sind wir mangelhaft 
unterrichtet. Wohl kennen wir die Schiffstypen und wissen auch, 
daß insbesondere der niederländische Schiffbau auf ihre Entwick- 
lung nicht ohne Einfluß gewesen ist; die niederländische Kravel, 
der Bojer, das der Fischerei dienende Vlieboot waren die Fahrzeuge, 
die den Bedürfnissen des nordeuropäischen Verkehrs in Ost- und 
Nordsee und im Wattenmeer entsprachen; dazu kam im 17. Jahr- 
hundert die für die Fahrt über das Weltmeer geschaffene Fleute. 
Alle diese Typen waren mehr oder weniger holländischen Ursprungs 
und erklären zugleich die umfassende Schiffahrt der Holländer. 
Ihr Bau fand, soweit er für holländische Rechnung erfolgte, zunächst 
auch meist im Inlande statt; die holländischen Schiffstypen haben 
dann in den deutschen Seestädten, namentlich Hamburg und Lübeck, 
Nachahmung gefunden; bis in das 19. Jahrhundert hinein haben 
diese Typen wenig Veränderung erfahren?). 
Schiffbau in größerem Stil wurde in Amsterdam getrieben, 
wo eine Zunft der Schiffszimmerer bestand?), und in Rotterdam*), 
ı) Pringsheim, S: 106, 110, 116. 
23 Hagedorn, Schilfstypen, S. 67 £., 73, 83 U. 90 MM... 102 MM. Luzac, 
I, 367 f. erwähnt die Eigenart der holländischen Schiffe, die rund waren und geringe 
Tiefe hatten; man nannte sie „Dickbäuche‘‘; es waren nicht gerade die besten 
Segler, aber sie konnten viel laden und brachten deshalb viel Frachten: auch ließen 
sie sich gut steuern und bedurften geringer Mannschaft. 
3) Vgl.ter Gouw;, V, 4367 Bontemantel, S. 497; van Rave- 
steyn; S.94; 
‘) Bijlsma„, Rott... Welvaren, S. 86. 
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