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Gouda usw. zur Folge. Nach Ansicht der Kaufleute verhielt sich
freilich die Sache anders; danach wurde durch die Verminderung
der Ausfuhrabgaben der Rohzucker herbeigelockt, und die inlän-
dische Industrie gewann dadurch die erste Auswahl; die Ausfuhr-
abgabe verursachte auf die Dauer eine Preissteigerung der Rohzucker,
was für die Raffinadeure nur schädlich war; gerade die hohen
Ausfuhrabgaben auf Rohzucker müßten schließlich den Untergang
der Zuckerindustrie und des Zuckerhandels herbeiführen. Der
darauf von den Generalstaaten am 2. September 1771 festgesetzte
Tarif erfüllte nur zum Teil die Wünsche der Raffinadeure. Der
Ausfuhrzoll auf Rohzucker blieb bestehen; ebenso aber die Auf-
hebung des Ausfuhrzolls auf im Inland raffinierte Zucker. Ein
weiteres Zugeständnis an die Raffinadeure bestand darin, daß
ihnen 1776 von den Staaten von Holland für zwei Jahre eine Prämie
von 4 fl. auf 1000 Pfund einkommenden Rohzuckers bewilligt
wurde. Schon 1781 wurde das wieder abgeschafft. Gegenüber
dieser Begünstigung der holländischen Raffinadeure fehlte es nicht
an Klagen der Raffinadeure anderer Provinzen; namentlich die
Utrechter wiesen nicht mit Unrecht darauf hin, daß jene Prämie
im Widerspruch mit dem solche Begünstigungen ausschließenden
Art. 18 der Union stehe. In einen recht bedenklichen Zustand ge-
rieten die Amsterdamer Raffinadeure, als im Amerikanischen Krieg
der Zucker der von den Engländern besetzten französisch-west-
indischen Kolonien in solchen Mengen nach England geschafft
wurde, daß die englischen Fabrikanten ihre Ware zu sehr niedrigen
Preisen über Europa verbreiteten, die die holländische Konkurrenz
völlig ausschalteten; die Ausfuhr nach Osten, ja der ganze Handel
dorthin litt in hohem Grade, da er abhängig war von der gleich-
zeitigen Versendung des Zuckers. In dieser Notlage bewilligten
die Staaten von Holland eine Prämie von ı5 fl. auf 1000 Pfund
eingeführten Rohzuckers. Schon ein Jahr darauf aber überschritt
der Betrag der Prämie die Höhe von 1ı!/, Mill. fl., wobei 125957 fl.
auf Dordrecht, ı 232 069 fl. auf Amsterdam, 221 624 fl. auf Rotter-
dam fielen. Von den 108 Amsterdamer Raffinerien erhielt also
durchschnittlich jede 11 400 fl. Andererseits hatte aber die Prämie
den Zuckerpreis nicht gesenkt, also nicht bewirkt, daß man im
Auslande niedrigere Angebote machte und damit den Absatz ver-
mehrte; wenn der Absatz in Europa zunahm, so war das den