Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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französischen Maßregeln gegen den Einfluß Englands in den west- 
indischen Kolonien zuzuschreiben. Deshalb hob man die Prämien 
nach einem Jahre wieder auf. In den nächsten Jahren stiegen 
die Rohzuckerpreise sehr hoch; 1795 waren sie mehr als doppelt 
so hoch wie 1776. Man verschrieb Rohzucker aus Batavia, das 
aber noch nicht sehr leistungsfähig war‘!). 
Die innere Entwicklung der holländischen Zuckerfabrikation bie- 
tet wirtschaftsgeschichtlich mancherlei Wertvolles. Wie auf zahlreiche 
andere Industrien drückte auch auf sie eine Menge kleiner, schein- 
bar unerheblicher, im Ganzen doch recht fühlbarer Abgaben städti- 
scher oder kommerzieller Art; so das Lastgeld und Veilgeld, die 
auf der Schiffahrt ruhten, ferner das noch aus der gräflichen Zeit 
herrührende Waaggeld, der Maklerlohn. Zu einer Zuckerakzise im 
Sinne einer Belastung des binnenländischen Verbrauchs kam es 
im 17. und 18. Jahrhundert nicht; die Akziseprojekte aus den 
Jahren 1627—1641 scheiterten an dem Widerstand Amsterdams, 
ebenso ein 1640 gemachter Vorschlag, einen Impost von 5% auf die 
Einfuhr von Rohzucker zu legen?). Nur der Syrup wurde für kurze 
Zeit einer Belastung unterworfen, nämlich 1671—1679, sehr zum 
Mißfallen des kleinen Mannes, für den der Syrup ein Nahrungsmittel 
war. Die Erhebung der Abgabe stieß dann auch auf viele Schwierig- 
keiten; Friesland wollte in sie nur einwilligen, wenn man gleichzeitig 
die fremde Butter mit 25 Pfund flämisch per Faß und den Käse 
und andere Fettwaren nach Verhältnis belastete®). Erst als man 
dies 1671 zugestand und zwar mit einem Wertzoll von 25% auf 
Butter und Käse, gelang es, den Syrupzoll durchzuführen. Doch 
stellte Groningen (Stadt und Land) 1673 plötzlich die Erhebung 
dieses Zolles ein, solange Butter, Käse und Speck in Holland und 
Seeland zollfrei eingingen. Nach langem Streit hoben. die General- 
staaten 1679 den Syrupzoll auf*%). 
Amsterdam selbst verlieh den einheimischen Raffinerien 
keine Privilegien. Anders Dordrecht, wo vor 1686 keine Raffinerien 
') So schrieb Büsch, Über die hamb. Zuckerfabriken, 1790, S. 350: 
„Holland hat des Zuckers nicht genug von seinen Kolonien, auch noch nicht Däne- 
mark von seinen 3 Zuckerinseln.“ 
23 Reesse,/S. zı MM. 
3 Reesse, S. 77 ff. Das für die Berechnung mancher Waren noch lange 
Zeit gebräuchliche Pfund flämisch entsprach 6 Gulden. 
4) Reesse, S. 85. 
33
	        
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