fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die darstellenden und die bildenden Künste. 333 
Italien, sehr wenig aber unmittelbar oder auch nur in ent⸗ 
schieden deutlichen Vermittlungen von der Antike abgehangen 
hat. In den darstellenden Künsten war es die Aufgabe, die 
Wiedergabe derjenigen feinen Schattierungen unserer Em— 
pfindungen zu erreichen, für deren Charakteristik das Wort zu 
versagen schien: sie wurde in der Entwicklung der Musik ge⸗ 
wonnen, einer Kunst, die ebenfalls nur sehr mittelbar die 
Antike unter die Voraussetzungen rechnen kann, denen sie den 
Impuls zu ihrem Aufschwung im 16. Jahrhundert entnahm. 
Und auf diesen beiden, für die Vorwärtsbewegung recht eigent— 
lich charakteristischen Gebieten, dem der Musik und dem der 
Malerei, finden wir auch allein einfache Verhältnisse und eine 
unzweideutige Graͤdlinigkeit der Entwicklung. 
Die beiden anderen großen Gebiete der Künste dagegen, 
die Dichtung und die Architektur einschließlich der von ihr 
immer abhängiger werdenden Plastik, zeigen um so weniger 
Folgerichtigkeit der Entwicklung, je tiefer sie den Geist der 
Renaissance in sich aufnehmen. In der Dichtung kann man 
die binnendeutschen Vorgänge als von der Renaissance ziemlich 
unabhängig betrachten, um so unabhängiger jedenfalls, je mehr 
sie für die spätere Entwicklung Entscheidendes beigetragen haben: 
hier kam es darum in Schwank und Schauspiel auch noch zu 
Schritten, die niemals wieder zurückgetan worden sind und ein 
festes Fundament des Künftigen gebildet haben. Brach diese 
Entwicklung vorzeitig ab, so trug daran nicht sie an sich, sondern 
vielmehr der allgemeine Verfall ihrer sozialen, bürgerlichen 
Grundlage die Schuld. In den nördlichen Niederlanden da⸗— 
gegen, wo die Dichtung, durch einen spätgeborenen Humanismus 
befruchtet, in den Dramen Vondels und der mit ihm Strebenden 
Autikes unmittelbar aufzunehmen und nachzuahmen suchte, 
wurden zwar augenblickliche Erfolge erreicht, im Grunde aber 
blieb man doch, was man aus eigener Entwicklung her war 
zber eben zu werden sich anschickte; und das Überstürmen der 
klassizistischen Zeit, an sich gewiß die Ursache manchen, nament⸗ 
lich formalen Fortschritts, rächte sich schließlich in einer be— 
dauernswerten Unfruchtbarkeit der Epigonen.
	        
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