Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

von rund 231 Millionen Frs. im Jahre 1803 auf rund 155 Millionen 
im Jahre 1809, während die Ausfuhr in denselben Jahren von rund 
218 auf rund 357 Millionen Frs. stieg!). Die hohen Ziffern erklären 
sich durch den gesteigerten Wert, den viele Waren damals hatten. 
Was aber alles geschmuggelt wurde, fand sich in diesen Zahlen 
nicht mit angegeben?). Von 1808 an nahm auch die holländische 
Rheinschiffahrt mehr und mehr ab. 
Manche Folgen und Begleiterscheinungen des Kontinental- 
systems waren, wie schon angedeutet, für die Niederlande nicht 
unvorteilhaft gewesen; darin unterschieden sie sich nicht von den 
anderen in das Kontinentalsystem einbegriffenen Ländern. Wenn 
man absieht von den offenbaren Vorteilen, die es der Landwirtschaft 
brachte, haben gewissellndustrien durch das Sy- 
Stem Förderung jerfahren oder sind über- 
haupt erst entstanden, so die RübenzuckKker- 
fabrikation; die Zichorienfabrikation, dieschon 
1779 über eine Fabrik in den Niederlanden verfügte, wurde 
jetzt zu großer Blüte gebracht. Daß es für die Niederlande ferner 
ein Gewinn war, einmal, wenn auch wider ihren Willen, wirtschaft- 
lich in einen scharfen Gegensatz zu England zu geraten, ist 
anzuerkennen; das Übergewicht, das England seit mehr als einem 
Jahrhundert über die Niederlande gewonnen hatte, wurde dadurch 
schwer erschüttert. Diesen Folgen standen aber doch so bittere 
Leiden, so große Opfer, die das Kontinentalsystem dem Handel 
und der Schiffahrt auferlegte, gegenüber, daß tatsächlich die Nach- 
teile überwogen?). 
Mit der Einverleibung ın das französische 
Kaiserreich (1810) veränderte sich wirtschaft. 
lich wenig. Der Einfluß der Städte, in denen die alten Vroed- 
schappen mehr und mehr an Bedeutung verloren, war schon durch 
3Vierviers, S. 1718. 
2) Wenn d’Alphonse, S. 385, für die Jahre 1803—1809 eine Gesamt- 
einfuhr von I 544 288 539 Frs. und eine Gesamtausfuhr von ı 893 301 928 Frs. 
errechnet und also einen Ausfuhrüberschuß von 349 013 389 Frs. annimmt, so sind 
diese Zahlen mit Vorsicht aufzunehmen. 
3 Sautijn Kluit, S. 232 warnt davor, dem Kontinentalsystem manche 
nachteiligen Wirkungen zuzuschreiben, die tatsächlich nur die Folge von schon im 
18. Jahrhundert bestandenen Mißständen waren; ebenda S. 230 über künstlichen 
Kaffee während der Kontinentalsperre. 
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