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Städte mit ländlichen Niederlassungen den
Stadtbewohner; im Umkreise von Amsterdam, Utrecht,
Rotterdam, Haag überall erfolgten solche Ansiedlungen statt, meist
versehen mit Gärten und Gartenhäusern. Diese Anlagen waren
nicht ohne Einfluß auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse in der
Nähe der größeren Städte; sie brachten dorthin nicht nur Kapital
und vermehrten den Verbrauch landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
sie verbreiteten auch städtische Kulturen und Anschauungen über
das Land. Im Laufe der Zeit erstreckten sich diese Ansiedlungen
in immer weitere Entfernungen von den Städten. Außerdem aber
erwarben eine ganze Anzahl reicher Kaufleute und Reeder
größere landwirtschaftliche Besitzungen und wurden so gleichzeitig
Großgrundbesitzer*).
Naturgemäß war die Entwicklung der Landwirtschaft
in den einzelnen Provinzen sehr
verschieden; sie hing ab von den Bodenverhältnissen, den
Verkehrszuständen, von den Beziehungen zu den Städten, endlich
auch von alten Gewohnheiten. Verschieden mußte diese Entwicklung
schon deshalb sein, weil die Grundeigentumsverhältnisse in
den einzelnen Provinzen sich keineswegs glichen. Ferner haben
auch die Trockenlegungen und Eindeichungen, die ja die Provinzen
ungleichmäßig trafen, die Landwirtschaft in verschiedenster Weise
beeinflußt. Am stärksten waren in dieser Beziehung die Verschiebungen
der alten Zustände in Nordholland. Durch die umfangreichen
Eindeichungen wurde ausgedehntes Kulturland geschaffen.
Hier wurde durch umfassende Anpflanzung von Raps
die Grundlage für die nordholländische Ölmüllerei
gelegt, eine Industrie, die neben der Produktion von
Butter und Käse die Haupterträge der nordholländischen Landwirtschaft
lieferte?). Um 1800 rechnete man für Nordholland eine
tägliche Produktion von 100 000 Pfund Käse im Sommer und eine
jährliche von 15—16 Mill. Pfund. Auf den Märkten von Alkmaar,
Purmerend, Edam und Hoorn, den großen Käsemärkten jener
Gegenden, kamen diese Mengen zum Verkauf, meist gegen bare
Zahlung; erst um 1800 verkaufte man gegen 6—8 Wochen Kredit*®).
1) Blink, Geschiedenis, II, 19.
2?) Über die Amsterdamer Ölindustrie vgl. unten in $ 4.
3) Die Käsepreise schwankten sehr; für nordholl. Käse betrugen sie 1675—85: