Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

Da
Transit von Deutschland nach Belgien leiten werde, lehnte die
zweite Kammer den Vertrag ab. Ein zweiter Entwurf, der nur wenige
Änderungen enthielt, hatte bald darauf dasselbe Schicksal. Schutzzöllner
 und Freihändler sahen ihren, von entgegengesetzten Motiven
ausgehenden Wunsch nach voller Freiheit der Gesetzgebung im
Tarif und in der Akzise nicht erfüllt. Die nun von Holland verlangte
einfache Meistbegünstigung wollte Frankreich nicht gewähren.
Doch kam es am 19. April 1884 zu einer vorläufigen Konvention,
die einen modus vivendi herstellte, ohne die Prinzipien der Schutzzöllner
 und Freihändler allzu nahe zu berühren. Der Mangel an
einer vertragsmäßigen Regelung beeinträchtigte den beiderseitigen
Verkehr nicht unwesentlich. Die Einfuhr aus den Niederlanden nach
Frankreich blieb auch weiterhin ziemlich stationär, wogegen die
Ausfuhr von Frankreich nach den Niederlanden zunahm. Die
niederländische Flagge behauptete dauernd ihren Vorrang; ihr Anteil
 an diesem Verkehr stieg von 79,1% im Jahre 1880 auf 86,5%
im Jahre 1890, während in denselben Jahren der Anteil der französischen
 Flagge von 5,5% auf 1,6% fiel.
Nach dem französischen Tarifgesetz von 1892 mußte auch
mit den nicht meistbegünstigten Staaten, deren Verträge Frankreich
 nun kündigte, eine Neuregelung erfolgen; so auch mit den
Niederlanden. Gegenüber dem in Frankreich herrschenden starren
Protektionismus konnte das nicht leicht sein. Der Minimaltarif,
den Frankreich anbot, hatte für die Niederlande wenig Wert, da
er für viele wichtige Artikel noch prohibitiv wirkte. Am besten
schien es, Zeit zu gewinnen und abzuwarten, wie sich England und
Belgien zu dem neuen französischen Handelssystem verhielten, und
bis man sah, wie Frankreich dieses handhaben werde. Man nahm
deshalb zunächst das Angebot des Minimumtarifes an, behielt sich
aber volle Handlungsfreiheit vor. Dabei blieb es auch weiterhin.
Trotz des protektionistischen Charakters des französischen Tarifs
nahm die niederländische Einfuhr dorthin stark zu; sie stieg von
rund 78 Mill. Francs 1892 auf rund 139 Mill. Francs 1913, während
die Ausfuhr aus Frankreich nach den Niederlanden gleichzeitig
128% Mill. bzw. 201% Mill. Francs betrug. Im Schiffahrtsverkehr
erlitt die niederländische Flagge einen Rückgang; ihr Anteil fiel
von 86,5 % im Jahre 1890 auf 77,2% im Jahre 1913; der Anteil
der französischen Flagge stieg von 1,6 auf 5,6%. —

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