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Nordholland 165 Diamantschleifereien usw., die etwa 800 Arbeitern
Beschäftigung gaben; 1873 waren es 274 Betriebe; das bedeutete
für längere Zeit einen Höhepunkt dieser Industrie. Doch unterlag
sie stark den allgemeinen Schwankungen des Wohlstandes;
gegen jede Krisis war sie äußerst empfindlich. Auch war sie natür-
lich in hohem Grade abhängig von der Marktlage der Rohdiamanten;
die künstliche Beschränkung der Produktion in Südafrika durch
die dortigen Kartelle hat die Amsterdamer Diamantindustrie ebenso
ungünstig beeinflußt wie die starke Erhöhung der Einfuhrzölle auf
geschliffene Diamanten in den Vereinigten Staaten. Im Jahre I910
gab es in Amsterdam ungefähr 70 Schleifereien usw. mit 9298 Ar-
beitern; die Amsterdamer Industrie stand noch immer an der Spitze
sowohl im In- wie Auslande und konkurrierte nur mit Antwerpen;
allein die Ausfuhr geschliffener Diamanten nach den Vereinigten
Staaten hatte 1909 einen Wert von 8 792 737 Dollars‘).
Als Industrien, die erst in neuerer Zeit eine besondere Be-
deutung für die Niederlande gewonnen haben, sind zu nennen
die Margarineindustrie, die seit 1871 hier heimisch
wurde und schnell zu großer Blüte gelangte, auch in erheblichem
Umfange für die Ausfuhr arbeitete. Sodann die Kakao- und
Schokoladen industrie, deren Begründung auf den Holländer
van Houten 1828 zurückzuführen ist und ebenfalls stark
exportierte. Von den überseeische Erzeugnisse verarbeitenden oder
veredelnden Industrien neuester Zeit sind die Reismühlen und
Kaffeebrennereien zu erwähnen. Die Arzneimittel-
industrie war deshalb von Bedeutung, weil die Niederlande in ihren
Kolonien fast die gesamte Chinarinde erzeugten, was jener
Industrie naturgemäß einen großen Vorsprung verschaffte?). Auf
die zahlreichen landwirtschaftlichen Industrien, die Zuckerrüben,
Milchprodukte, Kartoffelmehl usw. verarbeiteten, werden wir unten
zurückkommen.
$ 3. Landwirtschaft und Fischerei.
In der mit 1814 beginnenden neuen Epoche hat die Land-
wirtschaft eine Entwicklung eingeschlagen, die nicht immer glück-
') Everwijn,\JI, ı4of; Hudig, 5.219. K100s7 5. 174.
?*) Vgl. Das Wirtschaftsleben der Niederlande, S. 372 ff.
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