Object: Rationalisierung als Kulturfaktor

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schiedenen Absicht, der von Grund und Boden ausgeschlossenen, über⸗ 
zaͤhligen, landflüchtigen Siedler, sich in der Fremde wieder zu er⸗ 
obern, was die Heimat ihnen versagt hatte. Angst um das ewige 
Seelenheil und das Streben nach dem größtmöglichsten Gewinn sind 
demnach die Wurzeln der amerikanischen Kolonisation. 
Beide Motive wirken gleichermaßen auf die Mentalität der Kolo⸗ 
nisatoren ein. Der kolonisatorische Lebensstil setzt „strengste Abkehr 
von allen rein innerseelischen Bewegungen und Bewegungsantrieben 
voraus und unterbindet jedes müßige Gedankenspiel, jede weltent⸗ 
hobene Träumerei, jede zweckfreie Besinnlichkeit, wodurch ein älterer 
Gesellschaftskörper, wenigstens in einzelnen begünstigten Repraͤsen⸗ 
tanten seine produktive Seelenkraft frisch in Fluß erhält“ x). Der 
Puritanismus lehrt die Abtötung aller irrationalen Triebe, „der 
geilen Schößlinge der Natur“. In ihnen läge die Versuchung, in 
der Regelung, Bändigung, Ordnung des Lebens, in der Ratio da⸗ 
gegen das Heil. Alles, was ihnen schädlich werden könnte, wird unter⸗ 
sagt: Spiel, Tanz und Theater. Die Sonntagsheiligung wird rück⸗ 
sichtslos durchgesetzt. Die Vorhänge dürfen nicht zurückgezogen wer⸗ 
den, wenn die Sonne scheint — „eine Sitte, die heute auch noch bei 
Nichtpuritanern besteht“ xx). Das Tragen bunter Kleider ist verboten 
so gut wie der Genuß später Mahlzeiten. Die Sinnenfreuden, die sie 
bringen, könnten gleichermaßen die Seele wie die Tüchtigkeit in Ge⸗ 
fahr bringen. „Aus dem gleichen Grunde wird der Glaube an die 
Hölle genaährt.“ Die moderne amerikanische Gesellschaft neuenglischer 
Prägung ist bis in die neueste Zeit nicht nur in der Theorie, sondern 
auch in ihrem praktischen Verhalten vom Glauben an die Hölle be⸗ 
einflußt xxx). Niemals sollen die Pioniere des Landes vergessen, 
daß jeder Fehltritt, jeder Müßiggang sie an die Grenzen des Sünden⸗ 
B. Betrachtungen 
2) Leopold Ziegler, Amerikanismus und Kolonisation in „Zwischen Mensch 
und Wirtschaft“, S. 211/ 12, Verlag Reichel, Darmstadt 1926. 
*x) M. J. Bonn, Geld und Geist, Verlag S. Fischer, Berlin, 1927, S. x13. 
xxx) M. J. Bonn, a. a. O., S. 114.
	        
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