Object: Die deutsche Hausindustrie

§ 3. Indirekte Befeitigung gewiffer Hausinduftrien 
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der Ausbeutung durch die Hausinduftrie zum Opfer. Gerade in denjenigen 
Städten, die alljährlich aus dem öftlichen Deutfchland einen ftarken Bevölke 
rungszuwachs erhalten, wuchert auch am üppigften die Hausinduftrie empor. 
Berlin, Breslau, Stettin, Erfurt find die ftärkften Anziehungspunkte für die Ab 
wanderung aus dem Nordoften, aber auch die hauptfächlichften Konfektions 
zentren. Wenn es gelingt, diefen Wanderungsftrom einzudämmen, fo wäre der 
Hausinduftrie in der Grojzftadt zum guten Teil das Waffer abgegraben. Ab 
hilfe kann dadurch gefchaffen werden, dajz man den Gutstagelöhnern die Mög 
lichkeit darbietet, fich mit Hilfe gemachter Erfparniffe in einem Bauerndorfe 
als grundbefitzende Tagelöhner niederlaffen zu können. Dies Ziel wird ja auch 
von feiten des preufzifchen Staates durch die erlaffenen Gefetze über die 
Bildung von Rentengütern angeftrebt. Wenn diefe Beftrebungen, die bekannt 
find unter dem Namen „innere Kolonifation“, die erhofften Erfolge haben, 
fo ift nicht blojz für einen kräftigen Bauernftand die Bafis gegeben, nicht blofc 
der Arbeitermangel für den Grojzgrundbefitz zum Teil befeitigt, auch das Haus- 
induftrieproblem, foweit es die Grojzftadt anbetrifft, ift feiner Löfung um einen 
kräftigen Schritt nähergekommen. 
Aus ebendenfelben Erwägungen heraus fei auch das ganze weitverzweigte 
Gebiet der ländlichen Wohlfahrtspflege mit allem Nach 
druck empfohlen. Auch fie hemmt den Zug vom Lande in die Stadt, fie macht 
<len Landaufenthalt begehrenswerter und fchwächt die Macht der Reize des 
Gro|zftadtlebens durch den Wert eines veredelten Landlebens ab. 
Wo es fich darum handelt, die Arbeitskräfte von der Heimarbeit weg zu 
anderm Erwerb zu führen, verdienen gewiffe Berufe befondere Beachtung. 
Zu ihnen gehört vor allem der Dienftbotenberuf. Nicht ganz un 
berechtigt ift die Frage: Wie ift es möglich, da(z Frauen gegen 5 oder 6 Pfennig 
Stundenlohn Arbeit leiften in einem Gemeinwefen, wo Taufende von Dienftboten- 
ftellen offenftehen, die ihnen ein weit befferes und ficheres Einkommen bieten ? 
Die Frage wird nur zum Teil beantwortet durch den Hinweis auf die Perfonen, 
die durch wichtige, meiftens Familienrückfichten ans Haus gebunden find. 
Wo Grojzftadtfucht, Verlangen nach Freiheit u. ä. in die Heimarbeit drängt, 
kann man mit Recht mehr ftaunen über die „Bedürfnislofigkeit“ folcher Heim, 
arbeiter und Heimarbeiterinnen, als über die niedrigen Löhne. Der Dienftboten 
beruf müfzte von überlegenden Arbeitfuchenden unbedingt der Heimarbeit vor 
gezogen werden. Freilich ift die Vorausfetzung, dajz berechtigte Wünfche der 
Dienftboten erfüllt werden, und dajz die wirklich oder vermeintlich verloren 
gegangenen Freiheiten im Dienftbotenberuf er fetzt werden durch eine gute Aus- 
bildungund Erziehung, welche die Dienftboten im Haufe der Herrfchaft erhalten
	        
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