Die wirtschaftlichen Folgen der llapitalknappheit
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tionszweige verstaatlicht, unberechtigterweise auch aus den Fall, daß es
sich um die Verstaatlichung oder Sozialisierung der gesamten Pro
duktion handelt, wenn der Staat sich zur Übernahme eines einzelnes
Industriezweiges in die staatliche Verwaltung entschließt, dann ist
es allerdings für ihn eine Uleinigkeit, die ganze Produktion aus
diesem Gebiete, die bisher vielleicht sehr zersplittert war, in einigen
Großbetrieben zu konzentrieren und diese mit den neuesten Maschinen
auszustatten. So würde der Staat beispielsweise voraussichtlich bei
der Einführung eines Tabakmonopols in Deutschland verfahren. Kn
die Stelle der jetzigen ungemein dezentralisierten Produktionsweise
in zahlreichen heimarbeiterbetrieben würde er nach französischem
oder österreichischem Muster einige wenige Riesensabriken setzen.
Was der Staat mit Leichtigkeit kann, wenn es sich nur um die Ver
staatlichung einzelner Industrien handelt, das kann er aber nicht,
wenn die gesamte Produktion mit einem Male von ihm übernom-
men werden soll, wollte der Staat auch in diesem Falle das Pro
gramm: sofortige Ausrüstung des gesamten Wirtschaftslebens mit
den vollkommensten Produktionseinrichtungen durchführen, so würde
dazu auch in einer sozialistischen Gesellschaft Uapital, Uapital und
noch einmal Uapital gehören. Mehr Uapitalgüter, wie Maschinen,
Fabrikgebäude, Elektrizitätswerke, Eisenbahnen usw. Herstellen, das
bedeutet aber immer diejenige Produktion ausdehnen, die auf die
Zukunft gerichtet ist, und dafür diejenige einschränken, die der Be
friedigung des laufenden Uonsums gewidmet ist. wenn aber ein viel
größerer Teil der Arbeiterschaft als bisher mit der Gewinnung von
Uohlen und Eisen, der Herstellung von Maschinen und Fabrikgebäu
den usw. beschäftigt werden soll, so ist das nur möglich, wenn die
Gesamtarbeiterschaft ihren Uonsum beschränkt, wenn etwa alle Ar
beiter auf halbe Löhne oder Nahrungsmittelrationen gesetzt werden.
Beginnt indessen ein sozialistischer Staat seine Tätigkeit in dieser weise
mit einer Herabsetzung der Bezüge der Arbeiter, nur um den techni
schen Fortschritt recht rasch durchführen zu können, dann wird es
wohl mit seiner Beliebtheit sehr schnell vorbei sein. Venn nicht zur
Pohle, Kapitalismus und Sozialismus, 2. stufl. 10