14 Der italienische Faschismus.
Gegensätze verschärft. England begriff, daß sich seinen alten Privilegien
die Begehrlichkeit der jungen konkurrierenden Staaten entgegenstellte, und
war gezwungen, seinen Vormarsch im Orient aufzuhalten. Dieser ganze
Weltteil wurde durch mehr oder weniger radikale Freiheitsbewegungen von
Sowjetrußland bis Turkestan und von Persien bis Afghanistan erschüttert.
Nur in diesem gigantischen Rahmen gesehen, kann man die chinesische Revolution
ernsthaft deuten.
Anderseits fühlt sich der Kapitalismus der Konservativen in England,
der mit der imperialistischen Vorherrschaft fest verbunden ist, durch die
Ereignisse im Osten bedroht und sucht seinem Schicksal zu entgehen oder
wenigstens das drohende Verhängnis hinauszuschieben. Zu diesem Zweck
mußte er den Verdacht und das Mißtrauen der konkurrierenden imperialistischen
Mächte zu vermeiden oder zu zerstreuen versuchen. Er brauchte dazu
Werkzeuge, Abenteurer, die er vorschieben konnte. Das waren die F aschisten,
die für jede Schurkerei zu haben sind. Die ganze Mussolini-Presse bemüht
sich, die öffentliche Meinung unseres Landes für eine bewaffnete Intervention
in China vorzubereiten.
Die Argumente, deren sich der Faschismus bei dieser Propaganda bedient,
sind erstens die Verteidigung der wirtschaftlichen und Handelsinteressen
Italiens, zweitens die Beschützung der italienischen Bürger, die
durch die revolutionären Streitkräfte bedroht seien. Aber da dies alles nicht
genügt, um der faschistischen Geste einen „napoleonischen‘ Anstrich zu
geben, so propagiert man die Losung: „In China kämpft man für die
europäische Zivilisation gegen orientalische Barbarei.‘“ Das offizielle Organ
des Faschismus behauptet, daß die Agitation in China nur eine Volksbewegung
dunkler Herkunft mit unbestimmtem Ziel sei, die durch düstere Leidenschaften
hervorgerufen wäre. Wir brandmarken vor dem Kongreß diese unverschämten
Erklärungen, diese gemeine Fälschung einer strahlenden Wahrheit.
Reinigen wir zuerst den Boden von den sogenannten „wirtschaftlichen
Interessen‘, und gehen wir von einem Gesichtspunkt aus, der keineswegs der
unsrige ist. Die letzte Statistik über die Einfuhr in China aus dem Jahre
1923 verzeichnet eine Einfuhr aus England von 248 Millionen Taels, aus
Japan von 2ır Millionen Taels, U.S. A. 154 Millionen Taels, aus Indien für
55 Millionen und aus Italien von nur 3 Millionen 750000 Taels. Von
186 000 Handelsschiffen, die chinesische Häfen anliefen, waren 40 075
englische, 25 2871 japanische, 3670 amerikanische und nur 30 italienische.
Was die Verteidigung der europäischen Zivilisation angeht, erklären wir,
daß diese Zivilisation wohl sehr tief gefallen‘ sein muß, wenn sie als Beschützer
eines Regimes des Faschismus bedarf. Wir glauben, daß die
Chinesischen Proletarier nichts von dem F aschismus zu lernen brauchen, und
wir hoffen, daß ihre Revolution auf immer für sie die Gefahr beseitigt,
einer derartigen „Zivilisation“ zu verfallen. Der Faschismus bedient sich
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