“4 Die „Kulturmission“ der abendländischen Völker.
das Waesland zwischen Gent und Antwerpen, wo etwa 300 Menschen auf
ı qkm Boden sitzen. Daß aber so übervölkerte Gegenden kolonisieren
wollen, kolonisieren müssen, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständ-
lich aber auch dies: es wäre ein Wahnsinn, wollte man dem europäischen
Ameisenhaufen gestatten, sich unbegrenzt über die ganze Erde hin zu ver»
mehren, etwa unter dem Vorwand, wir seien durch Gott und Jesus dazu be-
rufen, den farbigen Rassen unsere sogenannte Kultur zu bringen, d. h., sie
für uns arbeiten zu lassen, so wie Ameisen sich Blattläuse ziehen. — Nein!
Wohin führt denn das? Alle Länder der Erde wimmeln schon von diesem
weißhäutigen Gesindel, das alles kann, alles macht und gar nichts ist, das
alle Freuden der Technik, der Industrie und des Kapitals genießt und eine
völlig verödete leere Seele hat. Dies ist der Kern der europäischen Kultur.
Die Menschen bauen hier höher, als sie selber steigen können. Ihre Werke
werden immer lebendiger, sie selber sind lebensverarmt. Das Werk ist mehr
als die Seele, welche das Werk baut. Also Bevölkerungspolitik! Gelingt es
nicht, die blinde Vermehrung der europäisch-amerikanischen Rasse einzu-
dämmen, dann können wir auch nicht die Wachstumsausträge der Nationen
verhindern. Es wird dann dahin kommen, daß zuerst die unnötigen Tiere und
Pflanzen ausgerottet werden und daß sodann alle Völker darangehen, sich
gegenseitig zu zerfleischen. Sieger ist dasjenige Volk, das die meisten Söhne hat
und die größten Kanonen. Aber das Zeitalter der Nationalpolitik ist vorüber.
Eine Weltpolitik wird kommen. Denn, wenn es uns heute möglich ist, auch
die kleinsten und fernsten Inseln im Südmeer dem Kalkül zu unterwerfen,
um sie auszubeuten, dann ist es auch möglich, das kleinste und fernste‘
Volk dem Kalkül des Geistes zu unterstellen, um es aufzubauen und in seiner
Eigenart zu erhalten. Denn zur Freude ist der Mensch geboren. Nur zur
Freude und jeder Mensch. Es ist möglich, die europäisch-amerikanische
Menschenzahl bewußt einzuschränken. Es ist auch möglich, Schutzzonen zu
stiften für Tiere und Pflanzen vor der Zivilisation, Freiheit und Unabhängig-
keit zu schaffen für die Bewohner Polynesiens, für die Stämme Südafrikas,
für Afghanistan, für die Hindus, für China. Gegenwärtig gibt es für die
ganze Erde nur eine einzige, wirkliche Gefahr, das ist die weiße Gefahr. Wer
das erkennt, muß fordern: die Vermehrung der weißen Rasse muß unbedingt
eingeschränkt werden. Nur der Imperialismus hat ein Interesse daran, daß
viele Menschen geboren werden. An sich ist es für den Wert einer Nation
völlig gleichgültig, ob sie aus vielen oder aus wenigen Menschen besteht.
Also — Beschränkung der europäisch-amerikanischen Menschenzahl, das ist
die erste Forderung.
Die zweite Forderung ist: rückläufige Kolonisation, colonisation retro-
verse, Was heißt das? Die Erde kannte bisher nur Völkerverschiebungen zum
Zwecke der Ausbeutung von Erdschätzen oder von Arbeitskräften. Es ist not-
wendig, daß Amerika und Europa endlich missionarisiert werden. Zunächst
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