181
bringen sollten (Der Haushalt besteht aus zwei Personen). Der
Magistrat antwortete auf die Beschwerde, daß betreffend des
Butterverbrauchs vom Kreis Sorau noch keine Verordnungen
getroffen seien, deshalb ein Eingreifen nicht möglich sei, obwohl
das Vorgehen des Predigers nicht schön zu nennen wäre.
Unterzeichneter möchte dazu noch bemerken, daß in Triebe!
viele Bergarbeiter weite Wege nach Hause zu machen haben und
eine zehnstündige Arbeitszeit herrscht. Dabei werden zahlreiche
Ueberstunden verfahren und wäre deshalb eine reichhaltigere
Ernährung nötig, besonders müßte es den Leuten möglich sein,
etwas mehr Fettstoffe zu erhalten. Wir bekamen neun Lohn-
zettel eines tüchtigen Hauers zugesandt, der in neun Wochen 740
Stunden arbeitete, also im Durchschnitt pro Woche 82,2 Stunden,
das sind 22,2 Stunden mehr wie in gewöhnlicher Zeit.
Bei Mangel an billigem Fettstoff und nicht genügender Brot
nahrung tritt bei solcher Arbeitsleistung eine baldige Körper
ermattung und Krankheit ein. Beträgt doch der Lohn dieses
Hauers — und der seiner Kameraden ist nicht besser, sondern
noch geringer — 42,3 Pf. pro Stunde.
In der Hoffnung, daß Ew. Erzellenz dahin Anweisung gibt,
daß auch in Triebei, ebenso wie dies in anderen Teilen Deutsch
lands geschah, die Brot- und Fettversorgung für die Bergarbeiter
besser gereglt wird, zeichnet
mit hochachtungsvollem Glückauf!
(Unterschrift.)
* * *
Die Eingabe hatte den Erfolg, daß Aenderung geschaffen
wurde.
Bochum, den 13. Juli 1916.
An Se. Exzellenz Herrn von Batocki, Berlin.
Bezugnehmend auf unsere Eingabe vom 7. Juli cr. betreffs
Versorgung der Bergarbeiter der Grube Hoffnung in Triebel
erlauben wir uns, Ihnen die Abschrift eines Briefes, den wir
unterm 10. d. Mts. von unserem Vertrauensmann in Triebel
erhielten, zuzusenden. Wir bitten, bei Erledigung unserer Ein
gabe die in dem Briefe gemachten Angaben mit zu benutzen.
Triebel (Lausitz), den 10. Juli 1916.
Herrn Hermann Sachse, Reichstagsabgeordneter, Bochum.
Werter Kamerad! In der Brotversorgunasfrage teile ich Dir
mit, daß uns die 250 Gramm Zulage für Schwerarbeiter, die wir
bisher erhalten, seit dieser Woche nicht mehr gewährt werden.
Aus dem Schreiben ist zu ersehen, daß den dortigen Berg
arbeitern die bisherige Brotzulage entzogen wurde. Eilige